Kleve: Hunolds Indianer und Gesetzlose
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 10.02.2007Kleve (RPO). Wenn sie in der kommenden Woche noch einen karnevalsfreien Abend haben, hier ein super Tipp, wie Sie ihn füllen können: Der diesjährige Aachener Ordensritter „Wider den tierischen Ernst“, Air Berlin-Chef Joachim Hunold, steigt am 14. Februar ab 18 Uhr im Schloss Dyck in Bütt, um Narreteien über den Flugverkehr in NRW zu erzählen. Ja gut, der Abend ist jetzt nicht direkt als Büttensitzung deklariert, sondern als Veranstaltung des Wirtschaftsforums im Rheinkreis Neuss, aber es gibt auf jeden Fall was zu lachen.
Immer wieder gut kommt ja zum Beispiel die Nummer, wenn der Chef einer angeblich „deutschen“ Fluggesellschaft, die nicht als AG, sondern nach britischem Recht als PLC (public limited company) geführt wird, über „ausländische Billigflieger“ herzieht. Oder Oden auf Mönchengladbach singt, also den Flugplatz, von dem sich Air Berlin wegen Misserfolgs mit halbleeren Maschinen zurückgezogen hat.
Am köstlichsten ist Hunold, wenn er mit derlei Luftnummern ganz ernsthaft auftritt. Wenn er versucht, mal absichtlich lustig zu sein, kann es peinlich enden. Bei seiner Ritter-Kür in Aachen erklärte der 57-Jährige in Verkleidung der Piloten-Legende Charles Lindbergh, Pioniere wie er hätten es immer schon schwer gehabt: Heute gebe es Gewerkschaften und Pilotenvereinigungen, früher seien es „Indianer und Gesetzlose“ gewesen.
Ist aus Hunolds Sicht also offenbar das Gleiche, woraus wir schließen, dass er in nächster Zeit nicht vorhat, sich um den Vorsitz der Gesellschaft für bedrohte Völker zu bewerben. Er ist ja auch schon genug damit beschäftigt, für einen bedrohten Landeplatz zu werben, der kein Flughafen ist, auf dem er selbst nicht fliegen will, der mindestens von der Hälfte der Bevölkerung und der Politik am mittleren Niederrhein bekämpft wird, im Gegensatz zu Weeze tatsächlich ein Friedhof für Steuergeld ist, jedes Jahr fünf Millionen Euro Verlust macht, bei Ostwind den Landeverkehr auf dem Düsseldorfer Flughafen behindert, keine realistische Aussicht auf eine ausreichende Landebahn hat und obendrein von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (vermutlich auch ein Indianer oder Gesetzloser) als unbrauchbar abgelehnt wird.
Dass Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin an Hunolds Mönchengladbach-Doktrin unbeirrt festhält, ist schade. Nicht für Weeze, sondern für Düsseldorf. Chancen muss man erkennen, wenn sie sich bieten. Sonst tun es irgendwann andere.
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