Kreis Kleve: IHK kritisiert Kopfnoten-Ende
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 16.12.2010 - 10:57Kreis Kleve (RPO). Als die Kopfnoten eingeführt wurden, hagelte es Kritik. Nun werden sie wieder abgeschafft – aber auch das kommt nicht gut an. Die IHK fürchtet, dass schlechtere Schüler Probleme bei der Ausbildungsplatzsuche bekommen.
Eine Zwei in Mathe macht noch keinen guten Auszubildenden. Denn die Note sagt nichts darüber aus, ob der Jugendliche Spaß am Lernen hat, pünktlich ist oder mit Kritik umgehen kann. Und genau deshalb seien Kopfnoten für Betriebe ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihrer Auszubildenden, meint Wolf-Eberhard Reiff. Der Geschäftsführer des Bereiches Bildung und Technologie bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) Duisburg-Wesel-Kleve spricht sich gegen die Abschaffung der Kopfnoten aus.
"Starkes Argument"
Er befürchtet, dass es ohne diese Angaben für schwächere Schüler schwieriger wird, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. "Kopfnoten sind für Betriebe nicht das wichtigste, aber ein starkes Argument, einen Ausbildungsplatz zu vergeben", sagt er. Bescheinigen Lehrer ihrem Schüler gutes Sozialverhalten und Zuverlässigkeit, sei das ein aussagekräftiges Kriterium für Unternehmer: "Es ist ein guter Anhaltspunkt für sie, den Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen und nicht direkt wegen eines mäßigen Notenspiegels auszusortieren." Seine Erfahrung: Gerade kleine und mittelständische Betriebe achten auf die Kopfnoten.
Kategorien
Mit Kopfnoten, die seit dem Schuljahr 2007/2008 auf den Zeugnissen stehen, wird das Verhalten der Schüler bewertet. Sie sind unterteilt in Kategorien wie "Leistungsbereitschaft", "Zuverlässigkeit/ Sorgfalt" und "Selbstständigkeit". Das Sozialverhalten wird nach "Konfliktverhalten", "Kooperationsfähigkeit" und "Verantwortungsbereitschaft" bewertet.
Gute Vermittlungsquote
Bernd Rütten, Leiter der Kranenburger Hanna-Heiber-Hauptschule, glaubt, dass die Kopfnoten für eine gute Vermittlungsquote in Ausbildungsstellen bei seinen Schülern geführt haben. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Schüler mit guten Kopfnoten schneller einen Ausbildungsplatz bekommen haben und es von den Betrieben anerkannt wird." Es handele sich um "Schlüsselqualifikationen, die im späteren Berufsleben fast wichtiger sind als das anfängliche Fachwissen". Selbst ohne Pflicht zu Kopfnoten würde seine Schule diese gerne beibehalten, als Anlage oder Zertifikat. "Das sehen die Betriebe gerne", ist seine Erfahrung. "Und es zeichnet unsere Schüler ja auch aus." Wichtig sei jedoch, dass die Kriterien zur Bewertung klar entwickelt und transparent gemacht würden.
Sein Kollege Alfred Scholten von der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Geldern glaubt auch, dass nicht ausschließlich die Noten zählen. Er berichtet von einem Schüler, dessen Noten zwar nicht besonders gut gewesen seien, der den gewünschten Ausbildungsplatz aber dennoch bekommen habe, weil er im Bewerbungsgespräch zu punkten wusste.
IHK-Experte Reiff befürchtet, dass sich ohne Kopfnoten die Abbrecherquote bei den Auszubildenden verschlechtern könnte: Kommt der Lehrling ständig zu spät oder ist frech, wenn er kritisiert wird, schädigt das das Arbeitsverhältnis. Mit Kopfnoten sei ein solches Verhalten im Vorfeld leichter zu enttarnen.
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