Kleve: Im Kleverland fehlen Ärzte
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 05.07.2008Kleve (RPO). Die Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und RP diskutierte, wie die medizinische Versorgung in Kleve sicher gestellt werden kann. Dr. Enders von den Katholischen Kliniken forderte ein neues Hospital für Kleve.
Dr. Karl Roidl ist 68 Jahre und hat 35 Jahre seine Patienten im Kleverland betreut. Als Landarzt. Immer erreichbar, immer unterwegs. Jetzt hat er die Altergrenze erreicht, an der er seine Praxis abgeben muss. Aber: Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. „Es kamen Interessenten, informierten sich – und waren nicht mehr gesehen“, sagt Roidl. Es fehlt der Nachfolger für den Landarzt.
Noch gibt es allerdings kein wirkliches Arztproblem im Kreis Kleve, sagt Norbert Verweyen, Leiter der Kaufmännischen Krankenkasse Halle in Kleve. Noch. Denn aus den Bezirken Kreis Kleve und Wuppertal gibt es erste Anzeichen, dass hier bald Allgemeinmediziner fehlen. Diese „Unterdeckung“ liegt in Kleve bei rund zehn Prozent – das gilt bei Verbänden wie Kassen noch nicht als Besorgnis erregend.
Es fehlt vor allem der Nachwuchs für „Landarztpraxen“. Schwierig ist es zudem, junge Mediziner an den Niederrhein zu holen. Meist bleiben sie in ihren Uni-Städten: Wo sie studiert haben, finden sie auch ihren ersten Arbeitsplatz. „Auch als Krankenhaus ist es so nicht einfach, qualifizierten Nachwuchs zu finden“, sagt Dr. Peter Enders, Geschäftsführer der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve. RP und Volksbank Kleverland widmeten deshalb das Zukunftsgespräch der medizinischen Versorgung.
Die Zukunftsrunde
Gäste bei der Zukunftswerkstatt der Volksbank Kleverland und der RP in der Volksbank waren:
Dr.Bettina Kratzenberg, Zahnärztin, Dr. Maria Buschfeld, Frauenärztin, Norbert Verweyen, Leiter der Kaufmännischen Krankenkasse Halle in Kleve, Dr. Peter Enders, Geschäftsführer der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve, Dr. Karl Roidl, Hausarzt, Dr. Rainer Czornik, Gesellschafter der KleMed GmbH und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Rainer Zeitz, Finanzberater und Mitbegründer der KleMed GmbH, Dr. Björn Backhaus, Urologe. Die Moderation hatten Volksbank-Vorstandssprecher Frank Ruffing und RP-Redaktionsleiter Jürgen Loosen.
Volksbank-Vorstandssprecher Frank Ruffing konnte neben Karl Roidl, Norbert Verweyen und Peter Enders die Zahnärztin Dr. Bettina Kratzenberg, die Frauenärztin Dr. Maria Buschfeld, den Psychotherapeuten Dr. Reiner Czornik, den Finanzberater Rainer Zeitz und den Urologen Dr. Björn Backhaus begrüßen.
Lösungsansatz
Sie alle stehen für Modelle, die einen Lösungsansatz im kränkelnden System bieten: Maria Buschfeld hat neben ihrer Praxis in Kleve eine Zweigstelle in Goch eröffnet. Das hilft ihr, steigende Kosten bei einer Deckelung der Einnahmen aufzufangen. Sie weist auf das finanzielle Wagnis hin, das mit einer solchen Investition einhergeht: Oft müssten Ärzte ein Quartal die kompletten Kosten vorschießen, bevor sie mit der Krankenkasse abrechnen können.
Bettina Kratzenberg wiederum ist „Teil“ der Zahnwelten Paessens. Hier arbeiten Teilhaber und angestellte Ärzte unter einem Dach. Das Risiko verteilt sich auf mehrere Schultern. Czornik und Zeitz vertreten das Modell eines medizinischen Versorgungszentrums, wie an der Emmericher Straße in Kleve. Das sind Lösungsansätze für das Dilemma, dass es zwar noch Ärzte gibt, aber zuwenig Ärzte, die es sich leisten können, das Wagnis der Selbstständigkeit einzugehen. Dr. Czornik: „Beim MVZ bewerben sich auch Hausärzte“.
Einig sind sich Kratzenberg, Buschfeld und Backhaus, alle „Neuklever“, dass die Stadt attraktiv ist, kulturell und landschaftlich viel bietet, dass es hier lebenswert ist. Man müsse Kleve nur erst einmal kennenlernen.
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