Kleve: Im Mittelpunkt der Mächte
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 01.10.2011Kleve (RP). In einer Serie werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des internationalen Standorts Kleve beleuchtet. Im 15. und 16. Jahrhundert erreichte die internationale Bedeutung des damaligen Herzogtums Kleve ihren Höhepunkt.
Es war die epochale Zeitenwende vom späten Mittelalter zur jungen Neuzeit, als das Herzogtum Kleve internationale Bedeutung hatte. Graf Adolf II. von Kleve-Mark heiratete 1406 Maria von Burgund, die Tochter von Johann Ohne Furcht – und die weltmännische Weitsicht französischer-burgundischer Hofkunst zog ins Niederrheinische ein. Ein Zeichen, wie Kleve mit den Herrscherhäusern europaweit vernetzt war.
Die Bündnispolitik
Es war eine durchdachte Bündnispolitik, die die Macht des Staates mehrte, wie Prof. Hans Peter Hilger es einst im Katalog zur Ausstellung schrieb. Die Ausstellung gab der politischen Dimension des Herzogtums einen markanten Namen: "Land im Mittelpunkt der Mächte". Ein Mittelpunkt allerdings, der sich zwischen den Mächten aufreiben sollte. Die monumentale Schwanenburg und die Stiftskirche künden noch heute von früher Bedeutung. Damals war die Burg eine staufische Anlage, in die Adolf seine Maria im Mai 1415 heimführte.
Die Arbeitsgruppe
Die Arbeitsgruppe Kleve International wurde 2005 gegründet und wird gebildet aus Bürgermeister Theo Brauer, Hochschul-Präsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz, dem niederländischen Honorarkonsul Freddy Heinzel, der 1. Vorsitzenden des Wirtschaftsforums Kleverland Maria Paeßens, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Internationale Begegnungen Dr. Kurt Kreiten, der kommissarischen Chefin der Klever Wirtschaftsförderungsgesellschaft Charmaine Haswell und Sparkassendirektor Wilfried Röth.
Nur gut 100 Jahre später sollte die Bedeutung des Herzogtums ihren Zenit erreichen: Herzog Wilhelm der Reiche (1516 bis 1592) verheiratete seine Schwester Anna an den englischen König, die schöne Sibylle an den Kurfürsten von Sachsen und er selbst ehelichte zunächst die noch jugendliche Jeanne d'Albret, Tochter von Heinrich II. von Navarra und Nichte des französischen Königs.
Da das erhoffte Bündnis mit Frankreich nicht funktionierte und man sich mit den Kaiserlichen arrangieren musste, wurde die Ehe als nicht vollzogen annulliert und der Klever heiratete die Erzherzogin Maria von Habsburg. Trotz der hochkarätigen Verflechtung sank die Bedeutung des Herzogtums unter seine Ägide. Die Regierung seines Sohnes endete im Chaos. Kleve hatte seine Bedeutung verloren.
Drs. Guido de Werd, Seniorkurator des Museums Kurhaus, der die bedeutende Ausstellung kuratierte, bringt das Ende auf den Punkt: "Die Tendenzen zur staatlichen Autonomie, zur Unabhängigkeit von Kaiser und Reich, die Aufgeschlossenheit gegenüber Reformation und Toleranz gegen die Protestanten – Haltungen, die die vereinigten Herzogtümer als einen modernen Staat auszeichneten – waren es gerade, die Herzog Wilhelm den Reichen (...) in einen schweren Konflikt mit Kaiser und Kirche trieben, der mit seiner (...) Niederlage endete".
Letztlich waren die 100 Jahre eine große Epoche. Die Grafen und Herzöge redeten international mit, leisteten sich die berühmtesten Künstler ihrer Zeit oder waren wie Katharina von Kleve, große Mäzene: Lukas Cranach malte Sibylle, Hans Holbein Anna, Katharinas Stundenbuch gilt als mittelalterliches Kleinod.
Es sind gerade diese Arbeiten, die heute noch international in Paris oder New York von Kleve erzählen. Zudem boten die Herzöge bedeutenden Wissenschaftlern Schutz, vertrat Wilhelm die Linie des Erasmus von Rotterdam, dessen Freund Johan von Vlatten an den Hof kam. Wilhelm weilte allerdings schon die meiste Zeit am Hof in Düsseldorf.
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