Serie: Vor 35 Jahren: KAG im Kopf - Heinemann im Herzen
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 18.02.2012Kleve (RP). Es war ein großer Name – für eine nicht minder große Schule: Das weniger an konservativen Werten orientierte Gymnasium in der Klever Niederung wurde 1977 in Konrad-Adenauer-Gymnasium umbenannt.
Zum Leidwesen der damals eher als links-liberal einsortierten Lehrerschaft. Denn das Kollegium hatte sich an dem Namen "Präsident-Heinemann-Schule" festgebissen. Die Sache besaß einen Haken. Als die Diskussion über den Namensgeber der Kellener Schule begann, erfreute sich Heinemann noch an allen irdischen Dingen. "Und damals hieß es, es kämen nur Namen von Personen infrage, die bereits verstorben seien", erinnert sich Wilhelm Lascho, der damalige Leiter des Gymnasiums.
In der Tombola potenzieller Paten für die Schule waren jedoch reichlich Personen, die die Voraussetzung "nicht mehr von dieser Welt" erfüllten. So schickte etwa ein Kunstlehrer der Schule den Namen Govaert Flinck (1615 bis 1660) ins Rennen. Govaert wer? Genau so dachte Lascho: "Den kennt doch niemand." Flinck war Schüler Rembrandts und in Kleve geboren. Zu den Taufpaten-Aspiraten gehörten außerdem: Erasmus von Rotterdam und der Pädagoge Overberg. Auch nur bedingt nachvollziehbare Vorschläge wie Delta-Schule, in Anlehnung an das Flussdelta, standen zur Diskussion.
Bei der Namenssuche wurde am Ende abgestimmt: Schüler, Eltern und Lehrer hatten sich mit 530 Stimmen für das Konrad-Adenauer-Gymnasium entschieden, nachdem vor allem die Elternvertreter klar Stellung für "den Alten von Rhöndorf" bezogen hatten. Nur 50 Stimmen weniger erhielt Overberg. Dem Kollegium passte der Name Adenauer im neuen Briefkopf nicht. Vielleicht lag dies auch daran, da man einst von einem Pädagogen eines anderen Klever Gymnasiums recht pauschal als "die Linken" betitelt wurde.
Lascho weiß um den Vorfall: "Ich kannte den Kollegen gut, der dies einst sagte. Doch war das natürlich Quatsch. Wir haben nach den Richtlinien unterrichtet und nicht nach roten oder schwarzen Leitsätzen." Dass man damit nicht schlecht gefahren sei, daraus macht Lascho keinen Hehl: "Wenn man sieht, welche zwei Gymnasien es in Kleve noch gibt, kann unser Konzept nicht völlig falsch gewesen sein." War die Namengebung für einige Kollegen nahezu gleichzusetzen mit dem Untergang des Abendlandes, so versuchte Lascho damals dem Schulpaten etwas Positives abzugewinnen: "Wenn wir Konrad-Adenauer-Gymnasium heißen, so können wir nicht so rot sein, wie es einige immer behaupten."
Im Klever Rat, der den Namen beschließen musste, wurde nochmals heftig über diesen gestritten. CDU-Sprecher Rudolf Kliver erinnert sich: "Adenauer wurde als der Kanzler der Alliierten gesehen. Dabei zeigt sich heute mehr denn je, dass sein Weg der richtige war. Der Name hat der Schule zweifellos nicht geschadet."
SPD-Sprecher Carl Moll sagte damals, man sei zwar nicht sehr glücklich mit der Namensgebung, werde sich aber der Mehrheitsentscheidung anschließen. Für die FDP konnte sich Dr. Heidemarie Schmidt nicht zu dieser Entscheidung durchringen. Sie stellte fest, bei allem Respekt vor Adenauer, dass dieser zu sehr Parteipolitiker gewesen sei und Züge von Intoleranz gezeigt habe. Für Schüler, so Schmidt, könne er kein Vorbild sein. Noch härter ging Jürgen Speh (SPD) 1977 im Stadtrat mit Adenauer ins Gericht, der den ersten Kanzler der Bundesrepublik als ein Symbol für das Wiederaufleben der deutschen Reaktion bezeichnete und meinte, er hoffe, der konservative Geist dieser Art werde nicht der Geist dieser Schule werden. Spehs Sorgen dürften rückblickend unbegründet gewesen sein.
Das Konrad-Adenauer-Gymnasium wird heute im Volksmund gern KAG genannt. Vielleicht entstand die Abkürzung damals als leiser Protest. Zuvor trug die Bildungseinrichtung den Namen: "Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium im Entstehen mit neusprachlichem Zweig Kleve-Kellen". Dann doch lieber KAG.
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