Niederrhein: Kathrin Türks: Die rote Kathrin
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 12.08.2010 - 11:05Niederrhein (RPO). Kathrin Türks war eine Pionierin des deutschen Kinder- und Jugendtheaters. Die Gründerin der Dinslakener Burghofbühne wollte das Publikum begeistern und zum Staunen bringen – als Schauspielerin und als Intendantin.
Kathrin Türks hat Pionierarbeit geleistet. Mit einer Truppe junger Schauspieler kam die gebürtige Düsseldorferin 1951 nach Dinslaken. Das Bielefelder Zimmertheater war ihr zu klein geworden. Und Kathrin Türks hatte Großes vor. Sie wollte den Bergleuten Kultur vermitteln, wollte heiteres Theater für traurige Kumpel spielen. Ihr Startkapital waren zwei alte Scheinwerfer und ein Waschkorb voller Kostüme. Ein festes Haus gab es nicht. "Der Burghof", wie sich die kleine Bühne nannte, war ständig unterwegs, trat für die Schachtanlagen Lohberg und "Rheinpreußen" auf, für diverse Betriebe, Vereine, Gemeinden und Schulen.
"Der Mann mit dem Zylinder"
Die Premiere am 3. Oktober 1951 im Lohberger Knappenheim war ein Erfolg. "Der Mann mit dem Zylinder", eine musikalische Komödie mit Spottliedern, Verwechslungen und ironischen Dialogen, war genau das Richtige für das Kultur entwöhnte Dinslaken. Das Publikum feierte den Neubeginn stürmisch. Walter Rolshoven, Kathrin Türks, Renate Meyer, Rolf Anke und Heinz Lück verbeugten sich lächelnd, erleichtert und glücklich. Und die Rheinische Post lobte: "Ein verheißungsvoller Neubeginn."
Sprungbrett
Die Burghofbühne in Dinslaken (Intendant Thorsten Weckherlin) ist das kleinste der vier Landestheater in Nordrhein-Westfalen. Es ist in über 128 Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus aktiv.
Das Landestheater Burghofbühne war immer schon ein "Sprungbrett" für junge Schauspieler. Folker Bohnet ("Die Brücke") spielte eine Saison in Dinslaken. Claus-Theo Gärtner zog 1965/66 für die Karl-May-Inszenierung "Unter Geiern" die Cowboystiefel an. Katharina Schüttler, Tochter des früheren Burghofbühnen-Intendanten Hanfried Schüttler, spielte in Dinslaken ihre ersten Theaterrollen (Ibsen, "Die Wildente"). Christoph Maria Herbst ("Stromberg") hatte als 22-Jähriger an der Burghofbühne sein erstes professionelles Engagement als Schauspieler. Infos: www.burghofbuehne-dinslaken.de
Wie schwierig der werden sollte, erlebte Kathrin Türks, die mit Walter Rolshoven nicht nur das Theater leitete, sondern auch Regie führte und selbst spielte, in den folgenden Jahren. Türks hatte nach ersten Engagements in Kleve und am Westfälischen Landestheater in Castrop- Rauxel in Koblenz und danach in Bielefeld gewirkt. Sie war eine Theaterbesessene, die das Publikum unterhalten, begeistern und zum Staunen bringen wollte. Und sie wollte Erziehungsarbeit leisten, versuchte mit bewährten Stücken das Publikum von morgen zu schaffen.
Das Experiment gelang. Die jungen Künstler waren überzeugt von ihrer Sache, sie waren eine verschworene Gemeinschaft, die meisterlich zu improvisieren verstand. Das war notwendig. Das "Theater für bergmännische Kulturarbeit" zog in ein Bergmannsheim in Dinslaken-Hiesfeld, wechselte dann ins Haus Ahr in Voerde-Götterswickerhamm über die Atelierräume des Malers Karl Heiduck. Das Theater hatte mit dem Bergbau von Anfang einen starken Partner und Förderer an der Seite. In den ersten Jahren ging vieles Hand in Hand. Die Requisiten wurden in den Werkstätten der Zeche Lohberg hergestellt und dienten den Schauspielern später als Wohnmobiliar.
1955 wurde aus dem Kollektiv "Der Burghof" nach 319 Vorstellungen offiziell die "Burghofbühne". Als eingetragener Verein bekam das Ensemble erstmals Subventionen vom Kultusministerium. Der Pionierarbeit folgen verstärkt Stücke mit zeitgenössischen Inhalten, Kinder- und Jugendtheater. Dem Ensemble um Kathrin Türks, die unter anderem in Brechts "Mutter Courage" die Titelrolle spielte, gelang es sogar, sich neben den Tourneetheatern zu behaupten.
Kathrin Türks nahm ihre Bildungsaufgabe ernst. Auch im Ausland engagierte sich die leidenschaftliche Charakterschauspielerin für die Bühne. Sie hatte nicht nur gute Ideen, sondern war auch clever genug, diese umzusetzen. Unvergessen ist die Anekdote über ihren Hund Paul. Einmal pro Saison schrieb die Intendantin dem Cocker Spaniel eine kleine Rolle auf den Leib. Dann jagte sie das Tier über die Bühne. Damit war Paul Schauspieler. Und Schauspieler zahlen keine Hundesteuer. So sparte Frau Geld in harten Zeiten.
Bundesverdienstkreuz
1982 erhielt Kathrin Türks das Bundesverdienstkreuz. Am 19. Oktober 1983 ist sie im Alter von 62 Jahren gestorben. In der Theaterszene hat der Name der "roten Kathrin", wie Türks wegen ihrer Haarfarbe genannt wurde – auch 27 Jahre nach ihrem Tod noch einen guten Klang. Im Zwei-Jahres-Rhythmus lobt das Landestheater Burghofbühne mit der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe bundesweit einen nach ihr benannten Förderpreis für Autorinnen aus. Gewinnerin des mit 7500 Euro dotierten Preises ist in diesem Jahr Magdalena Grazewicz (Berlin). Sie erhielt ihn für ihr Jugendtheaterstück "Nachts werden wir erwachsen".
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