Kleve: Kaufen mit Kind und Kegel
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 10:46Kleve (RPO). Der Sommerschlussverkauf ist gestartet. Wegen der Hitzewelle gibt es kaum noch Bermudas, Kurzarmhemden oder Sommerkleider – dafür aber Rabatte bis zu 60 Prozent. Händler hoffen auf noch mehr Sonnenschein.
Eigentlich gibt es ihn gar nicht mehr. Und doch ist er der Grund, warum es viele Klever und vielleicht noch mehr Niederländer zurzeit in die Klever Innenstadt zieht. Zum (inoffiziellen, siehe Infokasten) Sommerschlussverkauf haben viele Geschäfte ordentlich reduziert.
Herbert Wetzels, Geschäftsführer des Klever Kaufhofs, blickt zufrieden in die Damenabteilung. "Dafür, dass es erst 11 Uhr ist, ist das hier eine sehr gute Kundenfrequenz", sagt er. Zahlreiche Kundinnen schlendern durch die so genannten Preisstraßen, vorbei an roten Schildern mit den Aufdrucken "8 Euro", "10 Euro" oder "20 Euro". Wegen des heißen Sommers ist das Lager dieses Mal nicht so gefüllt wie in den Jahren zuvor. Luftige Kleidung war sehr gefragt. "Für die nächsten zwei Wochen haben wir aber noch genügend Sommerware", beruhigt Wetzels. Im Kaufhof ist zurzeit nicht nur Kleidung reduziert, sondern beispielsweise auch Heimtextilien und Parfüm.
Die Regelung
1950 führte das Bundeswirtschaftsministerium die "Verordnung über Sommer- und Winterschlussverkäufe" ein.
Der Einzelhandel durfte zwei jährliche Saisonschlussverkäufe durchführen: Der Winterschlussverkauf fand in der letzten Januar- und ersten Februarwoche statt, der Sommerschlussverkauf in der letzten Juliwoche und der ersten Augustwoche.
Seit Inkrafttreten einer Reform vom 1. Juli 2004 können Saisonschlussverkäufe nach Belieben durchgeführt werden und sind nicht auf Saisonwaren beschränkt.
Ein Stück weiter die Große Straße hinunter, bei Männermoden Mensing, ist die Euphorie über den Andrang beim Sommerschlussverkauf groß. "Die Kunden rennen uns das Haus ein", sagt Handelsassistentin Ina Stobbe. Die meisten Marken seien bei Mensing um 50 Prozent reduziert. "Das Lager für Sommerware ist leergeräumt", so Stobbe. Bermudas, vor allem weiße, und Kurzarmhemden sind bei Mensing absolute Mangelware, die wurden nämlich während der Hitzewelle alle verkauft. "Männer kaufen zyklisch: kurze, luftige Sachen, wenn es heiß ist, und lange, wärmere Kleidung, wenn es kalt ist", weiß die Verkäuferin.
Klaus Fischer, Filialleiter beim benachbarten Modegeschäft Alexander, ist zwar sehr zufrieden damit, wie der Sommerschlussverkauf angelaufen ist, hat aber seine eigene Meinung dazu, dass es keinen einheitliche Regelung für den SSV gibt: "Rabatte das ganze Jahr hindurch verwirren den Kunden", sagt Fischer. Gut findet er es hingegen, dass die Ferien in diesem Jahr so spät sind. "Es gibt viele, die in der zweiten Ferienhälfte noch spontan in den Urlaub fahren und dafür noch die richtige Kleidung suchen. Wir sprechen dabei von Impulskäufen", sagt Fischer. Es sei einfach Glückssache, ob die Kalkulation eines Geschäftsmanns beim Einkauf von Sommerware aufgeht. "Wir haben uns nach dem Siebenschläfertag gerichtet. Da hatten wir 32 Grad. Man sagt, dass 70 Prozent der Sommertage so werden wie der Siebenschläfertag. Wir haben also viel luftige und kurze Sachen eingekauft – und damit aufs richtige Pferd gesetzt." Und welches Wetter wünscht er sich für einen guten Umsatz in der nächsten Zeit? "Noch 14 Tage lang viel Sonnenschein und dann schlagartig Bodenfrost."
Nicht nur Hemden, Hosen, Kleider und Schuhe sind reduziert, sondern auch Dinge, von denen man gar nicht vermutet, dass es für sie einen Sommerschlussverkauf gibt. Im Geschäft Gunnar's Living and Style am Elsa-Brunnen sind derzeit Vasen und Windlichter in hellen, bunten Farben um zehn bis 50 Prozent reduziert. "Die Leute richten sich auf Herbst ein. Da passt ein solches Design einfach nicht mehr", sagt Inhaber Gunnar Friedrich.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.







