Niederrhein: Kein Platz in der Flasche?
VON CORINNA KUHS UND ILKA HAHN - zuletzt aktualisiert: 01.12.2008Niederrhein (RPO). Eine ausgetrunkene Flasche Wasser ist leer. So sieht sie jedenfalls aus. Aber eigentlich ist die Flasche gar nicht leer, weil sich darin Luft befindet. Die kann man zwar nicht sehen, aber bei einem Experiment erleben.
Louisa hat im Kindergarten richtig doll getobt. Mit ihrer Freundin Marie ist sie auf dem Klettergerüst gewesen. Jetzt hat Louisa Durst, und Marie gibt ihr eine Flasche Wasser. Louisa trinkt sie so schnell leer, dass sie hinterher einen Schluckauf hat. „Leer!“ ruft sie ganz laut und läuft stolz zur Kindergärtnerin. „Ist die Flasche tatsächlich leer?“ fragt die und lacht. „Natürlich“, denkt Louisa erstaunt, probiert zur Sicherheit aber etwas aus. Sie nimmt die leere Flasche und setzt einen Trichter auf die Öffnung. Der Trichter sieht aus wie ein Hütchen mit angebautem Strohhalm. Darein lässt Louisa Wasser aus dem Wasserhahn laufen. Das Wasser verschwindet in der Flasche, bis sie wieder voll ist. „Also war die Flasche vorher ganz leer“, sagt Louisa. Aber: „Das ist nicht richtig“, meint ihre Kindergärtnerin. „Die Flasche sah zwar leer aus. Aber vielleicht war doch noch etwas anderes drin.“
Erstaunliches Phänomen
Das findet Louisa wirklich komisch. Wie kann etwas leer aussehen, aber nicht leer sein? Also macht sie einen zweiten Versuch. Sie nimmt wieder eine leere Flasche und setzt oben den Trichter auf. Dieses Mal aber nimmt sie auch noch Knete und drückt diese Masse an den Rand der Flasche, genau da, wo der Trichter sitzt. „Wie ein Schal aus Knete für den Flaschenhals“, sagt ihre Kindergärtnerin. Louisa nickt. Dann nimmt sie die Flasche mit dem Trichter und dem Knet-Schal und lässt Wasser reinlaufen. Aber das klappt überhaupt gar nicht! Das Wasser läuft nicht durch in die Flasche wie eben, sondern blubbert im Trichter. Nur ganz langsam tropft Wasser in die Flasche. Das findet Louisa jetzt aber seltsam. Wieso will das Wasser nicht in die Flasche, obwohl die doch leer ist?
Das ist noch Luft drin
Die Kindergärtnerin erklärt es ihr das so: „Die Flasche ist nicht leer, denn es ist noch Luft drin. Die kann man zwar nicht sehen, sie nimmt aber den ganzen Platz in der Flasche ein. Die Flasche ist schon besetzt – von der Luft. Wenn also das Wasser in die Flasche soll, muss die Luft erst heraus.“ Bei Louisas erstem Versuch konnte sich die Luft zwischen dem Trichter und dem Flaschenhals ganz einfach an der Seite vorbei nach draußen quetschen. Und das Wasser konnte gleichzeitig durch den Trichter in die Flasche fließen. Beim zweiten Versuch hat der Schal aus Knete den Flaschenhals allerdings so verstopft, dass kaum Luft am Rand vorbei passte.
Gluggern im Trichter
Wasser und Luft mussten jetzt denselben Weg durch den Trichter gehen und mussten sich daher abwechseln. Deshalb konnte das Wasser natürlich nur portionsweise in die Flasche, also Schluck für Schluck. Und deshalb gluggerte es auch so im Trichter. Wenn du den Flaschenhals mit der Knete ganz, ganz dicht verschlossen hast, kann es daher sogar sein, dass überhaupt kein Wasser in die Flasche läuft – obwohl sie von außen ganz leer aussieht.
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