Kleve-Rindern: Klever Zahnärzte in Namibia
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 18.02.2008Kleve-Rindern (RPO). Das Zahnärzte-Ehepaar Cornelia Leuer-Fischer und Joachim Fischer aus Kleve hat drei Wochen lang in einer Missionsstation in Namibia gearbeitet. Die Mediziner opferten Urlaub und wurden durch Kinderlachen belohnt.
Bestens ausgestattet
Die Missionsstation „Dornfeld“ mit den Außenstationen Aminuis und Epukiro liegt bei Gobabis. Der Verein „Afrodent“ in München bemüht sich, der Station jedes Jahr für wenige Wochen zwei Ärzte zur vermitteln.
Ihr Behandlungsmaterial brachten Cornelia Leuer-Fischer und Joachim Fischer selbst mit. Dank großzügiger Spenden, vor allem durch die Hersteller des medizinischen Bedarfs, seien sie „bestens ausgestattet“ gewesen.
In der Basis-Station gab es einen dreißig Jahre alten Zahnarztstuhl mit defekter Lampe. Immerhin etwas. In den Außenstationen behandelten die Doktoren Fischer / Leuer-Fischer an einem Küchenstuhl, an dem sie in Nackenhöhe ein Kissen festgeknotet hatten, und im Lichte von Stirnlampen: „Wie Höhlenforscher.“
Drei Wochen lang arbeitete das Zahnärzte-Ehepaar Cornelia Leuer-Fischer und Joachim Fischer aus Kleve in der Missionsstation und Internatsschule „Dornfeld“ in Namibia. Dort leben 1200 Kinder vom Grundschulalter bis zur Abiturklasse, in zwei Außenstationen noch einmal knapp 900 Kinder.
„Es gibt keine Sozialversicherung“, erklärt Cornelia Leuer-Fischer, warum der Einsatz ausländischer Ärzte überhaupt nötig ist. „Diese Kinder sind alle nicht versichert.“ Die meisten stammen von Farmen auf dem Land: „Die Eltern können sich gerade mal die Gebühren für das Internat leisten. Und die Missionsstation hat nicht so viel Geld, das reicht für die Gesundheitsversorgung nicht aus.“
Gezielt Zähne ziehen
Und auch mit ausländischer Hilfe nicht, um teure Behandlungsstandards einzuhalten. Die Mediziner hatten zwar alle notwendigen Geräte und Medikamente dabei. Doch bei Zahnfehlstellungen zum Beispiel – und die kamen den Ärzten häufig unter – gab es nur eines: „Gezielt Zähne ziehen.“ Auch reichte die Zeit nicht, um wirklich jeden Zahn unter den Bohrer zu bekommen, bei dem es nötig gewesen wäre: „Wir haben alle 2000 Kinder untersucht. Dann haben wir das Nötigste zuerst gemacht.“
Angesichts solcher Sachzwänge wird Joachim Fischer nachdenklich, wenn um ihn her moderne „Wohlfühl-Praxen“ entstehen: „Man muss mal dagegen stellen, dass es auch noch was anderes gibt.“
Mit dem Einsatz in Namibia wollte er „zurück zur Basis finden“: „Wir waren in der Lage, mit ganz einfachen Mitteln vernünftig zu arbeiten. Man musste improvisieren. Und es hat geklappt.“
Belohnt wurden er und seine Frau durch die Reaktionen der Kinder. Ganz besonders, wenn sie einen abgebrochenen Schneidezahn wieder aufbauten und damit ein schönes Lächeln schenkten. Oder wenn sie Schmerzen linderten. Überhaupt sind beide beeindruckt von der Mentalität der Menschen in Afrika. Viele seien arm gewesen, „aber sie waren trotzdem immer fröhlich“.
Cornelia Leuer-Fischer und Jörg Fischer unterhalten eine gemeinsame Praxis in Kleve. Ihre Urlaubszeit wollen sie auch in Zukunft wieder in solche Einsätze investieren. Gegebenenfalls auch in anderen afrikanischen Ländern.
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