Kleve: Kleves Zug mit Doktorhut
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Kleve (RPO). Selten war der Unterschied zwischen Außentemperatur und Stimmung so groß. Prinz Jochen der Funkende scherzte kurz bevor er den prächtigen Prinzenwagen betrat noch über seine Prophezeihung: "Ich hatte fünf Grad vorhergesagt, dass es jetzt fünf Grad minus sind, hatte ich damit nicht gemeint". Und so setzte sich der Klever Rosenmontagszug bei Minusgraden und leichtem Schneefall erstmalig von Materborn aus Richtung Kellen in Bewegung.
Kälteerprobte Wikinger
Einer der ersten Wagen war der von Fidelitas Materborn und die schienen im Vorhinein bereits etwas von der Wetterlage geahnt zu haben. Als kälteerprobte skandinavische Wikinger segelten sie mit ihrem Boot "fidel" durch die Menschenmassen, die den Zug begleiteten. Tausende säumten die auf den Kopf gestellte Route und hatten sich ebenfalls nicht vom Frost abhalten lassen. Im Gegenteil, viele freuten sich sogar, dass ihre mitgebrachten Getränke durchgehend die richtige Temperatur behielten.
"Neue Superhelden" forderte der Wagen rund um Jens Eckermann. Dabei nahmen sie gleich sämtliche Themen aufs Korn, unter anderem natürlich die "Wirtschaftskrise", den "Klimawandel", die "Bundesregierung" sowie die "Nationalmannschaft" und sogar das "Bürgermeisteramt". Als Lösungsvorschlag gab es die Wahl zwischen den "Ninja Turtles" oder gleich mehreren muskulösen "Supermännern" – aus Kranenburg. Die Noetterse Jonges hingegen schoben die Schuld nicht auf Politiker, Bundestrainer oder Bürgermeister, sondern gaben zu, dass sie nicht ganz unbeteiligt sind. Als "Konjunktursauger" grüßten sie die Narren mit schwarzem Umhang und weißen Eckzähnen.
Zug in Zahlen
Insgesamt hatten 95 Gruppen für den Klever Rosenmontagszug gemeldet.
Erstmalig fuhr der Prinzenwagen mit Jochen dem Funkenden nicht am Zugende, sondern im letzten Drittel.
Über 1111 Hände verteilten von den Wagen Bonbons, Schokolade und andere Leckereien.
Auch die Freunde aus den Niederlanden sorgten mit ihren aufwändig gestalteten Wagen für Begeisterung. Aus der Gemeinde Groesbeek wurde kurzerhand "Gruusbeek" und die Kamelle flogen aus einem Bus der "NAGI"-Linie.
Bei den lokalen Themen waren TÜV-Gutachten und Hochschule gleich mehrfach vertreten. "Fahrrad, Laptop, Speicher – Kleve macht Studenten reicher" hieß es da auf dem Wagen des BSG St. Antonius Hospitals, während die Quaker aus Kellen – im Jahr ihres 60. Bestehens – die Lehranstalt gleich liebevoll umtauften. So wurde aus der Hochschule Rhein-Waal kurzerhand die "Hochschule Brejpott" und auf dem Wagen züchtete ein riesiger Frosch mit Talar hoffnungsfrohe Nachwuchskaulquappen.
"Ganz Kleve funkt auf neuer Welle" lautete das Zugmotto und speziell die zahlreichen Fußgruppen und Kapellen sorgten dafür, dass der Funke tatsächlich übersprang – wenn auch nicht mehr bis Kellen, denn die Emmericher Straße, früher noch Ausgangspunkt des Zuges, war nahezu ausgestorben.
Internet Weitere Bilder vom Zug unterwww.rp-online.de/kleve
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.







