Kleve: Kleves Zukunft an der Nordsee Es fehlt in der Stadt an Professionalität
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 03.02.2007Kleve (RPO). Das eoc. sei eines der attraktivsten Fachmarktzentren im Bereich der Niederrheinischen Industrie und Handelskammer (IHK). Die Mischung aus alter Industriekulisse und neuen Bauten sei gelungen, meinte Astrid Schulte. Die IHK-Geschäftsführerin für Handel und Dienstleistungen sagte bei der „Zukunftswerkstatt Kleve - Der Einzelhandelsstandort im Jahr 2010“, dass sie früher die Bebauung in der Unterstadt vor der in der Oberstadt favorisiert hatte. Schulte empfahl für die Gestaltung des Geländes hinter dem Rathaus eine Öffnung zum Wasser, weil dies die Einzigartigkeit der City im Wettbewerb der Innenstädte hervorhebt.
Wirtschaftsförderer Rudolf Röhrl freut sich als „Neubürger Kleves“ über eine „hervorragende Einkaufsstadt mit hoher Qualität“, vor allem in der Kavarinerstraße. Güter des täglichen Bedarfs gebe es im eoc.. Die Parkplätze seien hier der Vorteil, so dass die Kunden ihre Taschen nicht schleppen müssten.
eoc. ist ein Gewinn für die Stadt
Die Geschäfte auf dem ehemaligen elefanten-Grundstück seien „insgesamt ein Gewinn für Kleve“. Sie hätten aber eigentlich zur Stärkung der „Neuen Mitte“ beitragen sollen, so der Geschäftsführer der „Neuen Mitte“, Helmut Tönnissen. Er wünscht sich, dass der Weg von der Mittel- zur Oberstadt für die Gäste als Einkaufsmeile attraktiver wird. Hier sei leider eine Flut von Billiganbietern. Da stimmte Röhrl zu. Er sieht als Wirtschaftsförderer eine zentrale Aufgabe darin, die „Fußläufigkeit“ zwischen den Zentren zu verbessern. So sollten die Geschäfte in der City gestärkt werden.
Eigentlich könne doch der Handel zufrieden ein. Der Umsatz sei in den Ladenlokalen seit 1998 in Deutschland zwischen 2,5 und 3 Prozent gestiegen, in Kleve dagegen um fast 15 Prozent, sagte Volksbank-Chef Frank Ruffing provokativ in die Runde. „Das ist auf das eoc. zurück zu führen“, antwortete Astrid Schulte spontan. Die Anziehungskraft der Stadt sei schon immer sehr hoch gewesen, meinte dagegen Kaufhof-Geschäftsführer Herbert Wetzels. Die Zentralität Kleves liege mit der neuen Oberstadt-Bebauung zwar bei annähernd 160 Prozent (100 Prozent ist die Kaufkraft der Kreisstadt). Sie habe jedoch schon früher zwischen 130 und 140 Prozent betragen. Das sei auch den Niederländern zu verdanken.
Kaufhof-Erhebung
Wetzels verdeutlichte dann mit Zahlen, wie wichtig Marketing-Aktivitäten im Nachbarland sind. Nach einer Erhebung der Kölner Hauptverwaltung kämen die meisten niederländischen Gäste der Kaufhof-Filiale Kleve aus einem etwa 70 Kilometer breiten Gebietsstreifen, der sich von Nimwegen bis zur Nordseeküste erstrecke.
kleve (lud) Marketing-Aktivitäten kosten Geld. Um auch große Ketten und Hausbesitzer in der City als Investoren für die Außendarstellung Kleves zu gewinnen, müsse ein Werbekonzept erstellt werden, das die Filialisten und Immobilieneigentümer überzeuge, waren sich die Fachleute bei der „Zukunftswerkstatt Kleve - Der Einzelhandelsstandort im Jahr 2010“ einig. „Es ist traurig, dass es viele Trittbrettfahrer in Kleve gibt“, beklagte Kaufhof-Geschäftsführer Herbert Wetzels. Der neue verkaufsoffene Sonntag am ersten Advent sei da ein ein richtiger Weg, so Wetzels. Und über andere Öffnungszeiten müsse wegen des veränderten Konsumverhaltens ebenfalls nachgedacht werden.
„Die Leute müssen beim Besuch der City das Urlaubs-Gefühl haben. Dann sitzt der Euro lockerer“, so der Wunsch von Helmut Tönnissen. Der Geschäftsführer der „Neuen Mitte“ ergänzte, dass dies nicht mehr mit „traditionellen Festen“ in der Innenstadt geschehen kann. Wenn hier ein andere Programme angeboten würden, könnten wohl Ketten für die Finanzierung von Aktivitäten gewonnen werden. Tönnissen und der Kaufhof-Geschäftsführer regten ferner an, den Weihnachtsmarkt vom Forstgarten wieder in die City zu holen. Ihr Ziel: Durch den „Budenzauber“ mehr Umsätze in der Innenstadt tätigen.
Die Vereinigten Straßengemeinschaften hätten große Arbeit geleistet, würdigte Wirtschaftsförderer Rudolf Röhrl das ehrenamtliche Engagement. Doch die Zeit habe sich verändert. „Wir brauchen in Kleve ein Solidaritätsprinzip. Gleichzeitig muss ein hochprofessioneller Handlungsrahmen geboten werden, damit Filialisten mitmachen. Das finden diese Firmen bislang nicht vor“, betonte der Wirtschaftsförderer.
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