Bedburg-Hau: Klinik zu verkaufen
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 15.12.2006Bedburg-Hau (RPO). Wohnen und Arbeiten im Park: 30 Hektar Fläche teilweise bewaldet, über 30 Jugendstilhäuser. Rund die Hälfte der einst größten „Irrenanstalt“ Europas soll verkauft werden - und es sollen bereits Investoren im Gespräch sein.
Jugendstilhäuser unter hohen Bäumen, fantastische Villen in einer Parkanlage, große Bauten, verschlungene Wege. Eigentliche eine tolle Anlage, die da zum Verkauf ansteht - jedes Haus für sich mit liebevollen Fassaden, hohen Fenstern und regelrechten Dachlandschaften. Aber dafür einen Investor finden?
„Wir haben konkrete Anfragen“, sagte gestern ein bestens aufgelegter Bürgermeister der Gemeinde Bedburg-Hau, Peter Driessen. Zusammen mit Landesrat Harry Voigtsberger für den Landschaftsverband Rheinland und Dr. Marie Brill, ärztliche Direktorin der Rheinischen Kliniken, hatte der Erste Bürger der Gemeinde über die „Perspektiven für die Zukunft der Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau“ gesprochen, bevor man am frühen Abend vor die Presse trat. „Die Chemie stimmt zwischen uns“, legte Driessen nach und auch Harry Voigtsberger betonte die positive Atmosphäre der Gespräche.
Denkmalschutz
Das Denkmal Rheinische Kliniken soll bewahrt, das Ensemble als solches weiter erkennbar sein. Dennoch gibt es Bereiche, wo zusätzliche Bauten möglich sind.
Bürgermeister Driessen wünscht sich vor allem eine vorsichtige Öffnung des Waldes am Gemeindezentrum, um den Blick in die Klinik auf die Häuser zu bekommen. Auch solle die Straße entlang des Gesellschaftshauses durchführen.
Rahmenvertrag
Die Gespräche gingen so weit, dass man sich auf einen Rahmenvertrag einigte, den eine Planungsgruppe aus Mitarbeitern der Gemeinde und des Landschaftsverbandes erarbeitet haben, die auch gestern eine grobe Überplanung der Flächen vorstellte.
„Wir haben dabei nicht nur die Liegenschaften der Kliniken, sondern auch den umliegenden Ort in unsere Planung integriert“, sagte Wirtschaftsgeografin Dr. Birgit Stermann für die Planunggruppe. Eckpunkte seien zunächst die sukzessive Verlegung der noch von den Kliniken genutzten Stationen in den südlichen Bereich des Geländes, die Verbindung der Ortschaften Hau und Schneppenbaum sowie die Schaffung eines Grüngürtels entlang des Geschlechtergrabens. Dann folge die Vermarktung der Flächen.
Das Vorhaben solle in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden, so Voigtsberger und Driessen. Start: Frühjahr 2007. Das sei auch im Interesse dreier Investoren, die sich derzeit um das Gelände bemühen: „Die wollen das Gelände stückweise kaufen und einer neuen Nutzung zuführen“, so Driessen. Einer der Investoren habe vorgeschlagen, im Bereich der Bahnstraße Praxen und Kanzleien unterzubringen, die Arbeiten und Wohnen im herrlichen Ambiente vereinen sollen.
Dr. Marie Brill freute sich über die Zusage von Voigtsberger, dass man die Verkaufserlöse wieder in die Klinik stecke. „Wir werden aus der größten Klinik für psychisch Kranke vielleicht die Modernste machen können“, blickte sie in eine optimistische Zukunft. Vor allem die Patienten würden von der geplanten Umsetzung profitieren, die man seitens der Kliniken schon seit Jahren praktiziere: „Wir haben unsere Einrichtungen hier im südlichen Teil ja schon konzentriert“, so Brill.
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