Kleve: König mit gelangweilter Miene
VON ILDIKO HOLDERER - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009Kleve (RPO). Zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung: Alle warten auf ihn, den Entertainer mit der Fistelstimme, der auf charmante Art unbeholfen wirkt. Betritt Johann König die Bühne, begrüßt vom gewünscht "abartigen" Applaus, hat man das Gefühl, er wäre am liebsten woanders.
Motto: "also eigentlich habe ich gar keinen Bock" Doch gerade darin besteht seine Präsenz – die Zuschauer sind gefesselt.
Jetzt gab der Mittdreißiger sein Programm "Total Bock auf Remmi Demmi – Herr König schießt den Vogel ab" auf der Bühne der Klever Stadthalle zum Besten. Neues Programm, neuer Look: statt der altbekannten grünen und orangefarbenen Hemden trug König Kordanzug und Ansteckkrawatte und unterhielt das Publikum mit seinen "Anekdoten".
Seien es Racheaktionen am störenden Sitznachbarn in der U-Bahn, die kleinen Tricks fürs ökonomischere Einkaufen, Alltagsprobleme eines jungen Vaters oder selbstverfasste Gedichte wie "Eheprobleme in der Antarktis", in dem der Eskimo böse auf seine Frau ist: König schaffte es, den Nerv des Klever Publikums zu treffen.
"Also wir haben ja jetzt diesen Sohn bei uns wohnen. Wohnen – ja, Miete – nein. Das ist ungefähr sein Motto, glaub ich", so König über Söhnchen "Heinmück", der nachts nicht schläft und die Katze als Personentransportmittel missbraucht. Alltägliche Geschichten, angefangen vom Streit mit der Freundin bis zu väterlichen Erziehungsmaßnahmen, las König dem Publikum aus seinem Tagebuch vor, doch auch Gag-Klassiker wie die Grabstein-Witze ("Was steht bei einer Putzfrau auf dem Grabstein? Die kehrt nie wieder!") durften nicht fehlen.
Königs Inspirationsquelle ist vor allem, wie er auf der Bühne erzählt, das Fernsehen. Da bleibt die eine oder andere Spitze gegen Talkshows oder Castingshows wie "Germany's Next Topmodel", die "Dauerwerbesendung für Heidi Klum", wie sie der Entertainer betitelt, natürlich nicht aus.
Unauffällige Blicke auf die Uhr, gelangweilte Miene, all das gehört zu Johann Königs Programm und zu seinem Image. Doch wie man so schön sagt "manchmal wäre weniger mehr", irgendwann wirkt die Langeweile etwas gewollt. Zum Glück sind die Gags so gut, dass ein wenig Verschnaufpause dem Zuschauer nicht wirklich weh tut . . .
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