Bedburg-Hau: Krank und kriminell
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 09.05.2007Bedburg-Hau (RPO). Zum 13. Mal tagte in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau (RK) die forensische Fachtagung Sex & Drugs & Rock’n’ Roll, die gestern Mittag von Landesrätin Ulrike Lubek und Klinik-Direktorin Dr. Marie Brill eröffnet wurde
„Die Ergebnisse sind eindeutig: Eine adäquat durchgeführte Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus vermindert die Rückfallquote deutlich. Im Vergleich ist die Rückfallquote von Tätern aus dem Vollzug hoch. Das bedeutet auch: Die teure Behandlung im Maßregelvollzug ist langfristig billiger“, sagte gestern Dr. Jack Kreutz, Fachbereichsleiter Forensik der RK Bedburg-Hau vor der Presse. Dr. Ralf Wolf, ärztlicher Direktor der Psychiatrie im hessischen Hadamar, fügte an, bei entsprechender Prävention könnte schon bei auffälligen Jugendlichen verhindert werden, dass diese überhaupt straffällig werden.
„Kriminell und krank – krank und kriminell“ lautet in diesem Jahr der Untertitel der Tagung, die Michael Bay, Diplom Psychologe an den Rheinischen Kliniken, mit seinem Team vorbereitet hat. Kreutz stellte ihn gestern als den „Event-Manager“ der Tagung vor. Bay unterstrich nochmals den überregionalen wie internationalen Charakter des Symposiums. „Wir tauschen während der Tagung unsere Erfahrungen aus, stellen neue Forschungsergebnisse vor und arbeiten interdisziplinär“, so der Psychologe. „Jeder Teilnehmer nimmt aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen etwas mit, man schaut über Landes- und Staatengrenzen“, ergänzte Prof. Hans J. Markowitsch von der Uni Bielefeld.
Dabei stehen in den drei Tagen des Symposiums nicht nur Fragen auf der Tagesordnung, wie beispielsweise der Maßregelvollzug in Hessen gehandhabt wird, sondern auch, wie man mit Lockerungen oder dann sogar Entlassungen verfährt. Und zwar nicht nur aus Sicht von Ärzten, Pflegern und Therapeuten, sondern auch aus juristischer Sicht (letztlich entscheiden, so wurde gestern betont, nicht die Kliniken, sondern die Gerichte über Entlassungen). Stefan Galgon vom Rheinischen Institut für Fort- und Weiterbildung in der Psychiatrie (Solingen) betonte, dass der Maßregelvollzug neben der Therapie sicherlich auch einen Sicherheitsauftrag erfülle: „Wir schützen die Gesellschaft vor diesen Tätern“, so Galgon.
Keine Kennzahlen
Für die derzeit laufende Diskussion in NRW über die Kosten des Maßregelvollzuges hatten die Fachleute aus Praxis und Wissenschaft kein Verständnis: „Es gibt keine Kennzahlen, nach denen man eine wirklich relevante Vergleichbarkeit der Zahlen festmachen könnte“, sagte Wolf. So sage ein Vergleich der täglichen Kosten nicht viel aus – selbst in NRW sind die Kosten von Klinik zu Klinik verschieden. „Man muss auch wissen, wie lange dieser Patient in Behandlung ist und unter welchen Umständen er entlassen wird“.
Wobei die Rückfallquoten für die Behandlung sprechen - wie sagte Kreutz: „Langfristig ist die teure Behandlung billiger“ . . .
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