Kranenburg: Kulturschock in Ghana
VON LENA VERFÜRTH - zuletzt aktualisiert: 28.06.2008Kranenburg (RPO). Die Studentin Helene Schiwek aus Kranenburg hat ihre Semesterferien genutzt, um zwei Monate lang in Ghana Erstklässler zu unterrichten, das Land kennenzulernen und ihren Horizont zu erweitern.
Am Anfang hat ihr nichts geschmeckt, erzählt Helene Schiwek, zehn Kilo habe sie in den ersten Wochen abgenommen. Grüne Bananen, Yam und undefinierbare Soßen waren zunächst gewöhnungsbedürftig. Die Studentin der Wirtschaftspsychologie wollte etwas anderes sehen als staubige Unibücher, daher hat sie die Semesterferien dazu genutzt, ihren Horizont zu erweitern und etwas Gutes zu tun. Über ihren Lehrer Wilhelm Hawerkamp, der die Stiftung „Freundeskreis humanitäre Hilfe in Indien und Ghana“ ins Leben gerufen hat, hat sie den Kontakt zu der Schule in Ghana geknüpft. Nach einer vor Aufregung schlaflosen Woche war die damals 24-Jährige 15 Stunden unterwegs, bis sie mit dem Schulleiter Franklin, vorbei an schwer bewaffneten Streckenposten, den Vorort Ashaiman erreichte, wo die vom Freundeskreis gegründete Schule „Wilhelm Educational Complex“ ihren Sitz hat. „Es war ein sehr großer Kulturschock“, blickt die Kranenburgerin auf ihre ersten Tage zurück. „Man glaubt, man kennt alles aus dem Fernsehen. Aber es ist unbeschreiblich.“
Unterricht auf Englisch
Neue Gerüche, neue Sprachen, die heruntergekommenen Autos, viele Bettler, dann noch das ständige Auffallen als Weiße „Obroni“ – die erste Zeit war nicht leicht. „Aber die freundliche Art der Menschen macht es schnell möglich, sich wohl zu fühlen.“ Die Tage waren lang, von acht bis 15 Uhr unterrichtete sie alle Fächer auf Englisch, der Landessprache. Besonders Sing-, Tanz- und Klatschspiele seien bei den Sechsjährigen gut angekommen, die von anderen Besuchen aus Kranenburg sogar noch „Oh Tannenbaum“ schmettern konnten. „Einmal schrieb ich was an die Tafel, dann tippte mir einer der Kleinen auf die Schulter – sie hatten mir vorher unbemerkt Kreide geklaut –, ich drehte mich um und sah eine Klasse voller weißer Gesichter. Denn die Kleinen hatten sich die Kreide ins Gesicht geschmiert und meinten, sie würden jetzt auch weiß werden“, erinnert sich die Studentin. Nach zwei Monaten sei sie wehmütig und um viele Erfahrungen reicher nach Hause gefahren. „Nach einiger Zeit schmeckte alles auch – und ich hab bestimmt direkt wieder 15 Kilo zugenommen, weil das Essen so fetthaltig war und es als Beleidigung gilt, nicht aufzuessen.“ Nach dem Studium möchte sie gerne eine Rundreise durch Ghana machen und den Nationalpark im Norden besuchen. „Oder ich fahre nach Indien, da hat der Freundeskreis ja ein weiteres Projekt.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







