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Kreis Kleve: Lehrermangel: Der offene Brief der GEW

zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 13:15

Der offene Brief der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kreisverband Kleve, im Wortlaut:

Sehr geehrte Herren Landtagsabgeordnete,

sicherlich haben Sie nicht nur in der Presse die Diskussion um den Rechenfehler zur Stellenausschreibung an den Grund-, Haupt-, Förder- und Realschulen im Regierungsbezirk Düsseldorf verfolgt.

Als Sie zur Landtagswahl angetreten sind, wurden kleinere Klassen, mehr Lehrer, weniger Unterrichtsausfall, bessere Ausstattung der Schulen etc. versprochen.

Dieses Versprechen wurde, was den Kreis Kleve angeht, leider nicht eingehalten. Im Familienatlas bezogen auf das Jahr 2007 bildet der Kreis Kleve das Schlusslicht aller Städte und Kreise in Deutschland bezogen auf das Kriterium Bildung und Ausbildung. Hier gibt es neben anderen verbesserungswürdigen Umständen die wenigsten Lehrer und die größten Klassen.

Die schlechte Stellenbesetzung muss der Bezirksregierung bekannt gewesen sein, wie sonst wäre sie darauf gekommen, für die Grundschulen zum 1.2. und 25.8.10 insgesamt 25 und die Hauptschulen 37 Stellen auszuschreiben.

  • Die tatsächliche Besetzung an den Schulen liegt je nach Krankenstand und Elternzeit zwischen 90% und 98%, weil diese Fehlzeiten nicht ausgeglichen werden können.
  • Der „Vertretungspool“ ist festgesetzt, d.h. die „Lehrerfeuerwehr“ an den Grundschulen gibt es faktisch nicht mehr.
  • Der Erlass zum Sozialindex sieht ausdrücklich vor, dass diese Stellen auch für Vertretung vorgesehen sind. Diese Stellen sind im Kreis auf ein Minimum beschränkt.
  • Im „Gemeinsamen Unterricht“ kann die Arbeit nur erfolgreich sein, wenn ein bestimmtes Stammpersonal vorgehalten wird, wie es im Förderzentrum Emmerich geschieht.
  • Der Altersdurchschnitt an den Hauptschulen des Kreises ist besonders hoch.
  • Bei schulscharfen Ausschreibungen stellt sich immer wieder heraus, dass der Kreis Kleve für junge Kolleginnen und Kollegen nicht besonders attraktiv ist.
  • Die statistischen Daten sprechen für die Bezirksregierung: Im Kreis Kleve ist vom Oktober 2009 bis zum Oktober 2010 in der Primarstufe nur ein Rückgang von 12613 auf 12347 zu erwarten. Dies sind unter Einbeziehung der Förderschulen weniger als 8 Stellen!!!

Aus den oben aufgeführten Gründen lassen sich nach Auffassung der GEW folgende Konsequenzen ziehen:

Selbst eine 100% ige Stellenbesetzung führt zu Unterrichtsausfall, denn Lehrer werden auch länger krank, Lehrerinnen bekommen Kinder, Kollegen bilden sich fort etc. Im Kreis Kleve umfasst dieser Ausfall allein bei den Grundschulen mehr als 75 von fast 600 Stellen. Dies sind mehr als 10%. Wenn nur eine 10% ige Reserve für den Kreis eingerichtet würde, müssten es also 60 neue Stellen sein, um den Unterricht zu sichern.

Im Vertretungspool laufen die Verträge aus, für Krankheitsfälle bis zu 6 Wochen gäbe es dann keinen Ersatz mehr, obwohl dies per Erlass vorgesehen ist. Im Grundschulbereich sind über 16 Stellen betroffen.

Würde der Vertretungsanspruch aus dem Erlass über den Sozialindex für den Kreis Kleve ebenfalls umgesetzt, müssten im Grundschulbereich weitere 15 Stellen und im Hauptschulbereich , im Bezirk ist Kleve das Schulamt mit den meisten Hauptschulen, 25 Lehrer zusätzlich eingestellt werden.

Der „Gemeinsame Unterricht“ und das Thema „Inklusion“ stellen besondere Ansprüche an die Schulen, wenn jedes behinderte Kind wohnortnah unterrichtet werden soll. Hier in der schon angespannten Lage in der tatsächlichen Stellenbesetzung zu streichen, ist kontraproduktiv für die aktuelle Diskussion und die geäußerten Absichten von Frau Ministerin Sommer.

In den Hauptschulen des Kreises werden dringend junge Pädagogen gebraucht. Bedingt durch den Altersdurchschnitt und die Arbeitsbelastung geben die meisten Lehrer nicht die volle Stundenzahl. Dies stellt einen Stellenbedarf von 15 Stellen dar, denn auch die älteren Kollegen werden als volle Lehrkräfte gerechnet. Außerdem ist mit einem Umfang von ca. 20 ausscheidenden Kollegen zu rechnen.

Will das Land NRW die frisch ausgebildeten Pädagogen hier behalten, müssen ihnen Beschäftigungsangebote unterbreitet werden. Wie dargelegt müssten eigentlich im Kreis für die Grundschulen 91 Lehrer plus 10 Kräfte für den GU, und für die Hauptschulen 60 Lehrkräfte plus GU ausgeschrieben werden.

Dann wäre jener Zustand erreicht, an dem der Kreis Kleve die rote Laterne als Schlusslicht in der Bildungsversorgung abgeben kann. Der Bedarf ist da.

Selbst wenn Sie diesen Bedarf nicht sehen wollen, ist es nicht auszuschließen, dass die BR Düsseldorf rechnerisch fast richtig liegt. Sie sollten die Zahlen noch einmal überprüfen lassen, die Zeit eilt, damit vielleicht doch noch die Ausschreibungen vorgenommen werden können. In jedem Fall bleiben die Berechnungen der Bezirksregierung unter den dargelegten Zahlen und können so falsch nicht sein, wenn in der Schule Qualität gesichert werden soll.

Wir können Sie als Entscheidungsträger nur bitten, Ihren und unseren Ansprüchen durch die Einstellung junger Menschen in den Schuldienst zu genügen. Abwanderung junger Lehrkräfte in andere Bundesländer oder Arbeitslosengeld für diese jungen Menschen können für eine ehrliche Politik nicht die Alternative sein, wenn es um die Zukunft unserer Kinder und des Kreises Kleve geht.

In Erwartung Ihrer Antwort erhoffen wir uns zukunftsweisende Entscheidungen.

Mit freundlichen Grüßen

Hochachtungsvoll

Für die GEW im Kreis Kleve

Walter Seefluth

Quelle: jul

 
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