Kranenburg: Lieber Florett als Keule
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 23.05.2009Kranenburg (RPO). "Ganz nah dran" waren die Bürger im Cafehaus Niederrhein den Spitzenkandidaten der Kranenburger und Kreis Klever CDU. Aus Berlin war auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zur kurzweiligen Talkrunde geeilt.
"Jazz im Glück" hieß das Quartett, das im Cafehaus Niederrhein für die Musik zuständig war, während Landrat Wolfgang Spreen, CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins für die politische Unterhaltung sorgten. Moderiert wurden die Gesprächsrunden vom Redaktionsleiter der Rheinischen Post Kleve, Jürgen Loosen – organisiert worden war die Dreifach-Talkrunde nach dem Motto "Ganz nah dran" von der Gemeindeverbandschefin Gertrud Kersten, die auch die Begrüßung übernahm.
Airport noch im roten Bereich
Gespräch Nr. 1 führte Loosen mit Landrat Spreen unter anderem über den Airport Weeze. Gewohnt sachlich ging Spreen mit der vor kurzem ausgesprochenen Ankündigung des Ryanair-Chefs O'Leary, die Basis in Weeze zu schließen, um. "Man konnte das als Ultimatum deuten", räumte Spreen ein und ergänzte, "auch wenn O'Learys Flugzeuge tatsächlich leise fliegen, bleibt es letztlich eine Frage der Abwägung". Zwischen hoffen und bangen ergänzte er angesichts der enormen Bedeutung des "rasant wachsenden" Flughafens und dem bevorstehenden Urteil "wir sind noch nicht aus dem roten Bereich".
Ärztin für Kranenburg
Im Rahmen der Talkrunde gab Bürgermeister Günter Steins bekannt, dass Kranenburg ab dem 1. September "zu 99 Prozent" eine Ärztin – nämlich Dr. Dorothee Martens aus Kleve – bekommen wird (wir berichteten mehrmals über den "fehlenden Hausarzt von Kranenburg").
In den Räumlichkeiten oberhalb der Volksbank werde eine Praxis (und auch ein Aufzug) eingebaut und so stehe dem Einzug der Allgemeinmedizinerin des Medizinischen Versorgungszentrums KleMed aus Kellen nichts mehr im Wege.
Man suche nur noch einen Termin für die offizielle Vorstellung, sagte Günter Steins.
Ein rotes Tuch ist derzeit das Thema Windkraftanlage für viele Kranenburger. "Grundsätzlich hat der Gesetzgeber den Bau in solchen Regionen vorgesehen" machte Spreen deutlich und blieb mit der Hoffnung auf einen Kompromiss diplomatisch.
"Lokalmatador" Steins wurde da schon konkreter und positionierte sich erneut klar gegen den Bau. Ein weiteres "unerfreuliches Thema" sei die DSL-Versorgung. Dennoch werde man "keine Kommunalmittel einsetzen, um die Leitungen für die Telekom zu finanzieren", so Steins.
Der – nach Heiner Geißler – am längsten amtierende Generalsekretär der CDU, Ronald Pofalla, verriet nicht nur interessante Details seines stressigen Alltag, bei dem wahlkampfrelevante Themen manchmal auf der Autobahn besprochen werden, sondern formulierte für die Bundestagswahl das "außerordentlich ambitionierte" Wahlergebnis von "40 plus X". In diesem Zusammenhang gab er bekannt, dass er nach einem Wahlgewinn sicherlich nicht mehr Generalsekretär sein werde – welche Rolle er sich in dem Fall zudenkt, ließ er naturgemäß noch offen.
"Eine sehr emotionale Debatte" werde um das Thema Gentechnik geführt, antwortete Pofalla auf eine Frage aus dem Publikum und wie zum Beweis wurden Gesten und Aussagen spürbar lebendiger, als er prognostizierte, dass man in der Landwirtschaft zukünftig nur dann Erfolg haben werde, wenn man die Gentechnik einsetze. Ein klares 'Nein' sei daher "schlichtweg Blödsinn".
Kurzweilig
Für die Besucher war es ein kurzweiliger Abend im Caféhaus Niederrhein, bei dem sich die kandidierenden Politiker auch nicht zu persönlichen Angriffen auf SPD-Politiker verleiten ließen. "Warum soll nur die Auseinandersetzung mit der Keule eine gute sein ?", fragte Pofalla, der, wie Spreen und Steins, offensichtlich "das Florett" bevorzugt – ob das in der heißen Phase auch noch so sein wird, bleibt abzuwarten.
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