Niederrhein: Marie-Louise Klotz: Das Gesicht der Hochschule
VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 - 11:25Professor Dr. (56) ist Präsidentin der neu gegründeten HRW mit Sitz in Kleve und Kamp-Lintfort. Beruflich setzt sie innovative, interdisziplinäre und internationale Maßstäbe. Privat mag sie’s lieber klassisch.
Hätte man die Kreis Klever Bürger vor etwa anderthalb Jahren nach Professor Dr. Marie-Louise Klotz gefragt, sie hätten fragend mit dem Kopf geschüttelt. Professor Dr. – wer? Allenfalls im Internet hätten sie erfahren, dass Klotz Dekanin des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach ist. Und auch dann wäre das Interesse an der Frau mit den kastanienbraunen Haaren wohl eher gering gewesen.Heute ist Professor Dr. Marie-Louise Klotz in aller Munde. Zwischen Kleve und Kamp-Lintfort – sie ist eine gefragte Frau. Sie tut aber auch einiges dafür.
Professor Dr. Marie-Louise Klotz, 56 Jahre alt, ist Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal (HRW). Am 2. Februar 2009 stellte sie der damalige Innovationsminister, Andreas Pinkwart (FDP), als Gründungsbeauftragte der Öffentlichkeit im Kreishaus vor. Am 30. April bekam sie vom Ministerium die offizielle Ernennungsurkunde. Mit Vizepräsident Dr. Martin Goch gibt sie der HRW mit Sitz in Kleve und Kamp-Lintfort ein Gesicht, gerne mit Schal. „Sie sind dekorativ, kaschieren. Ich liebe Schals“, sagt sie.
Biografie
In Aachen geboren studierte Marie-Louise Klotz in Karlsruhe Chemie, ihre Promotion absolvierte sie an der RWTH Aachen.
1994 Professorin an der Hochschule Niederrhein, 1997 Prorektorin für Lehre, Studium und Studienrefrom, 2001 Vertreter des Rektors.
Seit 2002 ist Klotz Dekanin des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik.
Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder, einen Sohn (25) und eine Tochter (27).
Am 1. Mai ging alles los
Am 1. Mai 2009 ging die Verwaltung in den Betrieb. Seit vergangenem September studieren die ersten 90 Studenten an der HRW. Im April dieses Jahres war Grundsteinlegung für den Neubau im Hafen Kleve. „Wenn jemand vor rund anderthalb Jahren, als wir uns für den Bau einer Hochschule beworben haben, öffentlich die Einschätzung geäußert hätte, dass der Kreis Kleve zu Jahresbeginn 2010 mit dem Bau beginnt, hätte man diese Aussage vermutlich bestenfalls für unrealistisch gehalten“, sagte Landrat Wolfgang Spreen damals. Für das Tempo sorgt unter anderem Professor Dr. Marie-Louise Klotz. Sie powert – und das von Anfang an.
Der Anfang, das war im Januar 2009, als sie gefragt wurde, die Hochschule aufzubauen. Für die Diplomchemikerin, die mit Mann und Kindern in Mönchengladbach lebte, keine leichte Entscheidung. Arbeitete sie doch 15 Jahre lang an der Hochschule Niederrhein, dort hing ihr Herz am Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik. „Ich sollte alles hinter mir lassen, alles aufgeben – doch so ein Angebot bekommt man nicht alle Tage“, sagt Klotz – und nahm an. Bis April hatte sie zwei „Pöstchen“ – Dekanin an der Hochschule Niederrhein und Gründungsbeauftragte der Hochschule Rhein-Waal.
Die fachliche Ausrichtung der HRW beschloss Klotz übrigens an einem Wochenende mit einem Kreis aus vertrauten Kollegen. Wie vor dem Spiegel kommen ihr dabei die besten Ideen. „Es sollte etwas sein, dass von der Wirtschaft gefragt wird, innovativ ist und die jungen Leute motiviert, zu studieren“, sagt Klotz. Sie sollten Lust auf die HRW bekommen. Auch der international ausgerichtete Charakter der Hochschule war ihr wichtig. Studiengänge wie „Bio Science and Health“ sind diesem Denken geschuldet – zu Deutsch: angewandte Naturwissenschaften und Gesundheit. „Es ist eine schöne Verpackung für eine breite Nische. Mobilität, Gesundheit, Prävention – das ist der Markt der Zukunft“, sagt Klotz. Privat mag sie es klassisch, Hosenanzug, ihre Lieblingsfarben sind Schwarz und Weiß.
Und tatsächlich, „Bio Science and Health“ ist neben Psychologie der gefragteste Studiengang an der HRW. Es ist wie ein Sechser im Lotto – und es nicht der Erste in Klotz’ Leben. Für „Health Care Management“ an der Hochschule Niederrhein wurde sie anfangs belächelt, heute ist Wirtschaftsingenieurwesen/Gesundheitswesen ein eigener Fachbereich.
Promotionsrecht
Mit der HRW hat sie Ähnliches vor. „Die Hochschule soll sich einen Namen machen. Wir sind nicht die westlichste Ecke Deutschlands, sondern die Mitte Europas. Zudem möchten wir die erste Hochschule in NRW sein, die aufgrund ihrer Forschungsarbeit das Promotionsrecht erhält“, sagt Klotz. Dafür arbeitet sie hart. Im Juni und Juli war sie jeden Samstag und Sonntag im Büro. Ansehen tut man es ihr nicht „Ich brauche nicht so viel Schlaf. Wenn ich Zeit habe, dann entspanne ich mich mit einer Partie auf dem Golfplatz“, sagt Klotz. Von Kleve selbst hat sie noch nicht so viel gesehen. „Ich kenne Kaufland, das hat bis 24 Uhr geöffnet. Gibt es hier eigentlich H&M oder ähnliche Boutiquen?“
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