Bedburg Hau: Mehr Patienten für Forensik?
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 18.10.2006Bedburg Hau (RPO). Sicherheitskonferenz der Kliniken in Bedburg-Hau: Deutlich weniger Entweichungen aus dem Maßregelvollzug, der Klinikneubau im Plan und Überlegungen, mit mehr Forensik-Patienten auch Arbeitsplätze zu gewinnen. „Wenn ich denke, dass an jedem Patienten in der forensischen Klinik in Bedburg-Hau ein Arbeitsplatz hängt, bin ich durchaus bereit, mehr als 200 Patienten zuzulassen. Auch mit dem Risiko, dass sich vielleicht die Gefahr vergrößert“, sagte gestern Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen nach der Sicherheitskonferenz in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau.
Miguel Freund, Leiter des Maßregelvollzuges des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), sieht keine zwingenden Zusammenhänge zwischen mehr Patienten und mehr Gefahr. „Wir haben in den letzten vier Jahren viel verändert. Und wir wissen, dass es auf die Abteilungsgrößen ankommt, und nicht auf die Gesamtzahl.“
Keine Bürgerinitiative
Die angestrebten Zahlen dazu hatte der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug, Uwe Dönisch-Seidel, parat: Abteilungen mit maximal 120 Patienten, Stationen mit 18 bis maximal 20 Patienten und zehn bis zwölf Patienten pro Therapeuten. Dönisch-Seidel betonte aber auch, dass das Land sich natürlich an den einst geschlossenen Vertrag, der die Zahl der Forensik-Patienten in Bedburg-Hau auf maximal 200 festschreibt, halten werde. „Eine Änderung geht nur einvernehmlich. Bis jetzt ist die Gemeinde Bedburg-Hau die einzige Gemeinde mit einem forensischem Standort ohne Bürgerinitiative. Das ist ein sensibles Gut. Aber wenn es dieses Einvernehmen gibt, können wir über Patientenzahlen reden.“ Denn auch wenn die neuen Standorte fertig sind, braucht das Land Plätze für straffällig gewordene Patienten, die behandelt werden sollen. Und an jedem Patienten hängt ein Arbeitsplatz, sagen vor allem auch Betriebsrat und Gemeinde. Mit den Ergebnissen der vergangenen Jahre waren die beiden hohen Beamten für den Maßregelvollzug höchst zufrieden: Klar geht die Zahl der Entweichungen in Bedburg-Hau (wie auch landesweit) trotz deutlich steigender Patientenzahl zurück. Zäune und innere Umstrukturierung zeigen Früchte, hieß es. Freund und Dönisch-Seidel konnten auch mitteilen, dass es keine weiteren Kürzungen in diesem Jahr geben wird und dass man beim LVR weiter nach Einsparungen sucht: „Die hohen Kosten sind in NRW in den Strukturen der Kliniken begründet, die teils mit ganz kleinen Gruppen arbeiten. Wir müssen auch über Nachteinschluss nachdenken“, so Freund.
Dr. Jack Kreutz, Fachbereichsleiter Forensik, stellte die neue Struktur der Forensik in Bedburg-Hau vor, der neuen Aufnahme mit Diagnostik und der Nachsorge sowie der diversen Dinge, die in einen Behandlungsplan übergehen, über das Gefährdungspotenzial jedes einzelnen Patienten, das dargestellt wird. Fazit: „Es hat eine äußerst positive Entwicklung gegeben. Unser Ziel bleibt, dass möglichst viele Patienten wieder straffrei leben können“, so Dönisch-Seidel.
Klinikneubauten
Wegen der vereinbarten der Übergangslösung sind in Bedburg-Hau derzeit 427 forensische Patienten untergebracht.
Der Forensik-Ersatzneubau ist zu zwei Dritteln fertig und liegt mit seinen Baumaßnahmen im Plan. Bis jetzt wurden rund 20 Millionen Euro verbaut.
Insgesamt werden im Rheinland vier neue Kliniken gebaut: Bedburg-Hau hat mit dem Ersatzneubau 90 Plätze, Köln 126, Duisburg 90 und Essen 54. Damit wäre der derzeitige Überhang abgebaut.
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