Niederrhein: Mein Körper gehört mir!
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 30.06.2008Niederrhein (RPO). Kinder können selbst viel dazu tun, um sexuellen Missbrauch zu verhindern. Sie müssen stark genug sein, nein zu sagen; wissen, dass sie selbst keine Schuld trifft; und den Mut haben, sich jemandem anzuvertrauen.
Der kleine Maik traut sich nicht, es seinem Fußballtrainer zu sagen. Seiner Mutter hat er es schon zu sagen versucht. Doch sie hatte ihm nicht geglaubt. Sein Onkel Rudi ist gerade zu ihnen gezogen und besucht Maik immer wieder in seinem Zimmer. Er will, dass der Zehnjährige ihn im Intimbereich berührt. Maik will das nicht.
Deshalb versucht er, es Erwachsenen erzählen, denen er vertraut. Bisher gelingt das nicht. Es ist ihm zu peinlich. Oder die Erwachsenen hören ihm nicht richtig zu. Die Mutter seines besten Freundes hat ihm sogar gesagt, das würde ja nicht passieren, wenn er es nicht wollte. „Habe ich irgendetwas falsch gemacht?“, fragt sich Maik.
Die Kummer-Nummer
Anrufen 0800 111 0 333 heißt die Telefonnummer, die jedes Kind wählen kann.
Wann Die Mitarbeiter sind montags bis freitags zwischen 15 und 19 Uhr zu erreichen.
Kostenlos Der Anruf kostet den Anrufer keinen Cent.
Anonym Man darf bei dem Gespräch auch anonym bleiben.
Nein, das hat er nicht! Der kleine Junge hat keine Schuld! Diese Einsicht ist die wichtigste, die dabei hilft, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu verhindern. Solche Prinzipien versuchen Theatergruppen wie die von der Theaterpädagogischen Werkstatt aus Osnabrück, die durch Schulen im ganzen Land tourt, den Kindern beizubringen. Es gibt drei Fragen, die sich jedes Kind stellen sollte, wenn ein Fremder auf ihn zukommt und etwas von ihm will. Sei es, dass das Kind zum Pizzaessen eingeladen, oder gleich mehr von ihm verlangt wird.
1. Frage: „Habe ich ein Ja- oder ein Nein-Gefühl?“ Sprich: Ist mir wohl bei der Sache oder nicht? Schließlich ist nicht jede Einladung gleich ein versuchter Missbrauch. Doch das wichtige ist: Ich entscheide, was mit mir passiert. Mein Körper gehört mir. 2. Frage: „Weiß eine vertraute Person, wo ich bin?“ Wenn nicht, dann muss ich zuerst Bescheid sagen. Schon allein, damit sich keiner Sorgen macht. 3. Frage: „Kann ich Hilfe bekommen, wenn ich sie brauche?“ Auf jeden Fall gilt es, eine Situation zu vermeiden, in der man hilflos ausgeliefert ist. Also immer auf Nummer sicher gehen. Sollte einer der Antworten negativ ausfallen, muss man den Mut haben, nein zu sagen. Werden alle Fragen positiv beantwortet, sollte das Kind getrost mitgehen können. Doch bei Maik verhält sich die Sache ja anders. Es ist kein Fremder, der sich an ihm vergeht. Es ist sein Onkel. Und da hat Maik schon viele Dinge richtig gemacht. Er hat entschieden, sich jemandem anzuvertrauen. Sein Pech ist nur, dass die Botschaft nicht angekommen ist. Jetzt kann er entweder solange weitersuchen, bis er einen Erwachsenen gefunden hat, der ihm wirklich zuhört. Oder er wählt die „Nummer gegen Kummer“. Unter der Telefonnummer 0800 111 0 333 erreicht das hilfesuchende Kind kompetente Mitarbeiter des Kinderschutzbundes.
Glück gehabt
Maik hatte Glück: Letztendlich konnte er sich seiner Lehrerin mitteilen. Sie nahm ihn ernst und erklärte ihm, dass die „Streicheleinheiten“ nur aufhören, wenn man es den richtigen Leuten erzählt. Es kommt eine schwierige Zeit auf Maik und seine Familie zu. Doch der Missbrauch hat ein Ende.
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