Kleve: Millionen-Spende für 1. FC
VON PETER JANSSEN UND JÜRGEN LOOSEN - zuletzt aktualisiert: 03.11.2010 - 11:11Kleve (RPO). Sensation: Der 1. FC Kleve hat es kurzfristig geschafft, die Summe von 1,150 Millionen Euro aufzubringen. Damit ist nicht nur die Saison gesichert. Gewährt der Klever Rat jetzt den Stadion-Zuschuss, ist der Verein überm Berg.
Die Sensation lag gestern in handverlesenen Briefkästen: In einem vierseitigen Schreiben an Bürgermeister Theo Brauer und die im Rat der Stadt Kleve vertretenen Fraktionen teilt der seit langem finanziell angeschlagene Fußball-NRW-Ligist 1. FC Kleve am Tag vor der heutigen Sitzung des Hauptausschusses und eine Woche vor der entscheidenden Ratssitzung mit, dass es ihm gelungen ist, mit Hilfe von 19 renommierten Klever Unternehmern eine Summe von 1,150 Millionen Euro zur Rettung des Klubs zu sammeln. Der FC hat also nicht mehr, wie vor Wochenfrist erhofft, "Helden" in Sicht, sondern tatsächlich welche gefunden. Zudem zieht der Klub den Antrag auf Einräumung des Erbbaurechts zurück – zahlt also alles selbst. Was ebenfalls gestemmt wurde, ist eine solide Rücklage für die Forderungen, die seitens der Steuerbehörde noch auf den Verein zukommen werden (die RP berichtete).
Die Kernaussagen
In dem Schreiben formuliert der Verein drei Kernaussagen:
1. Die Verbindlichkeiten der Vergangenheit (Altlasten) sind beglichen.
2. Die Verpflichtungen für die laufende Saison 2010/11 sind erfüllt.
3. Die kurzfristige Fertigstellung des Stadions ist sichergestellt.
Die neue Situation
Womit der Stadtrat am Zug ist, denn die von der Stadt Kleve geforderte Rückzahlung der ersten Stadionumbau-Rate von 650 000 Euro ist, wie Kämmerer Willibrord Haas es ausdrückte, "ein Automatismus, der nur vom Rat der Stadt Kleve gestoppt werden kann". Gestern Abend bereits dürfte die Politik das Thema kontrovers diskutiert haben. Für die CDU-Mehrheitsfraktion sagte gestern Nachmittag Chef Udo Janssen im Gespräch mit der RP: "Das müssen wir im Fraktionsvorstand und in der Fraktion in aller Ruhe besprechen". Kein Wunder, hatte Janssen doch in der vorigen Woche, als noch niemand von dem Kraftakt der Klever Geschäftswelt wissen konnte, gesagt: "Wenn es eine neue Situation gibt, müssen wir neu nachdenken". So sieht es auch FDP-Fraktionschef Daniel Rütter: "Es sind neue Tatsachen geschaffen worden, die man bewerten muss. Die Zeit ist natürlich knapp. Wir wollen erst mal sehen, wie die Zuwendungen im Detail aussehen und wer dahinter steckt." Man darf auf das Ergebnis gespannt sein, wenn der Klever Hauptausschuss heute um 17 Uhr tagt.
Wochenlang waren die sportlichen Nachrichten, die der 1. FC Kleve produzierte, die besseren. Jetzt sind es die Meldungen aus der Abteilung "Kontostand". Durch das frische Kapital ist eine neue Situation entstanden. Lukas Verlage, Vorsitzender des Verwaltungsrates, sagte der RP: "Jetzt haben wir mal unsere Hausaufgaben gemacht."
Die aktuelle Situation in Sachen "Zuschussgewährung für den Stadionumbau" ist die, dass der Verein die erste Rate zurückzahlen muss und dementsprechend keine weiteren Gelder erhält. Kleves Kämmerer Willibrord Haas hatte dem Verein die Möglichkeit eingeräumt, bis zum 10. November, dem Tag der nächsten Ratssitzung, die Voraussetzungen für die Zuschussgewährung zu schaffen. Gestern wollte der Verein auch gegenüber der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft thp aus Krefeld die verbesserte finanzielle Situation darstellen. Das Treffen hatten die vom 1. FC Kleve zwar bezahlten, aber auf Anweisung der Stadt Kleve beauftragten Prüfer abgesagt. Nach Darstellung des 1. FC Kleve ist die Terminabsage auf Veranlassung der Stadt Kleve erfolgt mit der Begründung, es sei keine weitere Prüfung in Sachen 1. FC Kleve vorzunehmen.
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