Kleve: Mit Hand und Fuß
VON KERSTIN OLAÑETA - zuletzt aktualisiert: 05.03.2008Kleve (RPO). Bei der Kreishandwerkerschaft Kleve findet ein Mal im Monat eine Orthopädie-Sprechstunde mit Arzt und Schuhmachermeister statt. Pro Jahr kommen bis zu 300 auf der Arbeit verunfallte und am Fuß verletzte Patienten.
Wie ärgerlich ! Eigentlich wollten wir heute doch besonders pünktlich im Büro sein. Und jetzt zeigt die Uhr schon wieder einmal fünf Minuten nach Arbeitsbeginn . . . Also schnell noch die letzten Treppenabsätze zum Büro hoch hetzen – und dabei ruhig mal zwei Stufen auf einmal nehmen . . . Da passiert’s: Stufe verfehlt, mit dem Fuß abgerutscht – üble Zerrung !
„Solche Fälle sind die selteneren“, sagt Dr. Parwiz Payandeh, Facharzt für Chirurgie und Orthopädie, „die weitaus meisten Arbeitsunfälle, bei denen die Füße betroffen sind, ereignen sich auf dem Bau oder in der Fabrik.“ Allein im Kreis Kleve werden bis zu 300 solcher Versorgungsfälle pro Jahr gezählt, daher bietet Dr. Payandeh seit vier Jahren ein Mal im Monat eine Orthopädie-Sprechstunde bei der Kreishandwerkerschaft Kleve (Stechbahn) an. „Die meisten Menschen, rund 80 Prozent sind berufsgruppen-bedingt übrigens Männer, können nach einen solchen Arbeitsunfall überhaupt keine normalen Schuhe mehr tragen“, so der Orthopädie-Schuhmachermeister Klaus Diedenhoven.
Maßgeschneidert
Daher sei es extrem wichtig, dass sämtliche Schuhe – die für die Arbeit sowie diejenigen für den Alltag – ganz individuell angefertigt und per Hand maßgeschneidert seien. Ihren ersten Kontakt haben die Patienten mit Payandeh, Diedenhoven und Kollegen unmittelbar nach dem Unfall: „Sie kommen mit einer entsprechenden ärztlichen Verordnung in die Sprechstunde – dann schaue ich mir beide Füße ganz genau an, stelle eine Diagnose und lege die orthopädische Schuhversorgung fest“, erzählt der Arzt. Später gehe es darum, ein passendes Schuh-Modell auszusuchen und zur Anprobe zu kommen. „Bis der maßgeschneiderte, orthopädische Schuh dann fertig ist und die End-Abnahme durch den Mediziner erfolgt, können durchaus bis zu vier Wochen vergehen“, weiß Diedenhoven.
Freilich werde der Patient auch folge-versorgt: „Jedes neue Schuhwerk muss medizinisch und technisch abgenommen werden, dies ist wiederum mit ausführlichen Untersuchungen verbunden“, betont Payandeh. Nach rund einem Jahr sei ein neues Paar orthopädische Straßenschuhe fällig, Arbeitsschuhe gebe es nach Bedarf, Hausschuhe stehen den Patienten alle vier Jahre zu.
Nicht klobig und altbacken
Schuhmachermeister Diedenhoven weist darauf hin, dass ein orthopädischer Schuh lang schon nicht mehr zwangsläufig klobig und altbacken-bieder aussehe und gar nur in den Farben schwarz oder braun zu kriegen sei: „Heutzutage verfügen wir über ein riesiges Spektrum an Farben und Modellen – außer hochhackige Pumps, natürlich – fast alles ist möglich“, betont der Experte.
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