Kleve: Mit Schiller in den Ruhestand
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 24.01.2008Kleve (RPO). Theater ist seine Leidenschaft – über 30 Jahre inszenierte er Jahr für Jahr mit Oberstufenschülern Stücke auf der Bühne des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Kellen. Jetzt geht Wolfgang Paterok in Pension
Ruhe nach der letzten Aufführung? Keineswegs. Für Wolfgang Paterok geht’s weiter: Am Sonntag dürfen seine Schüler-Schauspieler die Texte zum Holocaust-Gedenken im Konrad-Adenauer-Gymnasium um 17 Uhr sprechen. Ohne Pathos soll es über die Bühne gehen, nüchtern-sachlich werden die Texte rezitiert werden – und so noch erschreckender von der größten menschlichen Katastrophe berichten. Es ist noch nicht Schluss, auch wenn der letzte Vorhang für Wolfgang Paterok im Klever Konrad-Adenauer-Gymnasium gefallen ist.
„Das Theater geht natürlich weiter. Wir hören damit nicht auf, und es wird in gute Hände kommen“, avisiert er – bestens gelaunt – seinen Nachfolgerin. Hinter dem kleinen Besprechungstisch in seinem Büro in der Schule leuchtet es noch rot von der Wand „Don Carlos“. Daneben – schwarz-weiß, wie es sich für Theaterfotografie gehört – die professionellen Bilder der Zerbrochenen-Krug-Aufführung. Oder sind es die Bilder einer (fast) professionellen Aufführung . . .
1976 stellte er zum ersten Mal die Schüler des KAG auf die Bühne. „Kluge Eltern sorgen vor“ hieß das Stück und galt noch als Schülerspiel. Aber Paterok wollte mehr. Es ging nicht ums Spiel – es ging ihm um Literatur, um Theater. Und schon die nächste, wie die vielen anderen in den folgenden über 30 Jahren, waren Theater. Es gab Dürrenmatts Klassiker „Der Besuch der alten Dame“ ebenso wie Dario Fo, Kleists „Zerbrochenen Krug“ ebenso wie jetzt als letztes Stück Schillers „Don Carlos“.
„Den Don Carlos habe ich mehrmals hintereinander angeboten“, sagt der Regisseur – erst jetzt fanden sich Schüler, die ihn aufführen wollten. Denn Paterok stellt am Beginn des Theater-Jahres Stücke zur Auswahl – und dann wird gewählt. Und irgendwann doch der Don Carlos gegeben.
Schon vor dem Zweiten Staatsexamen stand für Paterok fest, dass er an eine Schule will, die eine Bühne hat – und kam an eine Schule, die keine hat. An das damals noch ganz junge Konrad Adenauer Gymnasium. Warum? „Meine damalige Freundin kam auch dorthin“, sagt er. Es ist seine jetzige Frau . . .
Die Idee vom Schülertheater baute Paterok weiter auf und aus: Es wurde zur Institution. Nicht nur die Schüler des KAG kamen zu den Aufführungen nicht nur Schüler kamen: Das Theater im KAG wurde zum Treffpunkt. Die Arbeit, die dahinter stand, wurde vom Applaus, von der Anerkennung belohnt. Und es ist Arbeit, die jeweiligen Stücke einzustudieren. „Wir beginnen stets mit Sprechübungen“, sagt er. Gehen, die Wege auf der Bühne finden, der Auftritt, der Abgang und das Dazwischen. Die Drehung zum Publikum hin und nicht zum Partner. Dinge, die gelernt werden müssen. Wie der Text . . .
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