Kleve: Moyland: Akademie für Kinder
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012Kleve (RP). Außerschulischer Kunstunterricht im Museum Schloss Moyland für alle Grundschüler. Langfristiges Konzept. Pilotphase nach einem Schuljahr erfolgreich abgeschlossen. Alle Kinder werden gleich an Kultur herangeführt.
Clemens balanciert sein großes Blatt – vorsichtig über die beiden Unterarme gelegt – am Tisch vorbei. Satt sitzt das dunkle Blau darauf, verläuft aber dort, wo Clemens zuvor eine Frau auf einem Stier skizziert hat. "Das ist Europa", sagt er von unten herauf. Klar, doch - Europa. Auf dem Stier.
"Und die blaue Farbe verläuft da nicht, weil auf der Zeichnung Kerzenwachs ist", sagt er mit ernstem Blick. Denn Clemens kennt sich aus: Der Zweitklässler ist Akademiker der Juniorakademie in Museum Schloss Moyland. Und hier haben die Jungen und Mädchen zusammen mit Museumspädagogin Claudia Weber und ihrer Lehrerin Angela Dykmanns gerade mit den Kindern die Europa-Skulptur im Schlossgewölbe angeguckt. Jetzt kennen sie die Geschichte um die schöne Frau, die dem Kontinent den Namen gab. Und weil Zeus als Stier sie übers Meer holte, muss das Blatt natürlich blau sein.
Projekt für Schulen
Jedes Kind soll nach Abschluss der Grundschule wissen, dass Moyland ihr Museum ist. Sie werden in dem Schulhalbjahr ihre Eltern mitbringen, ihr Verständnis für Kunst und Kultur geschärft.
Das Projekt ist nicht nur für Schulen in Bedburg-Hau beschränkt, braucht aber Sponsoren.
"Die Jungakademie ist eine nachhaltige Einrichtung – das ist für uns das Besondere daran", sagt Inge Buntenbroich, Leiterin der St. Antonius-Grundschule in Hau. Denn die Akademie macht ihrem Namen alle Ehre: Alle Kinder des zweiten Schuljahres werden ein komplettes Schulhalbjahr hier ihren zweistündigen Kunstunterricht einmal in der Woche machen. Angeleitet von der Museumspädagogik, begleitet von ihrer Lehrerin. Und damit nicht genug: Die Kinder des dritten Schuljahres können am Nachmittag daran teilnehmen. Alle – vom Schüler bis zur Lehrerin – sind begeistert bei der Sache. "Wir machen das auf jeden Fall weiter", sagt Buntenbroich.
Das wird sie auch können – denn in Bedburg-Hau werden die Kinder mit dem Bus zum Schloss gefahren, die Sparkasse ist als Sponsor der Akademie ebenso dabei wie das Weseler Chemieunternehmen Altana – und der Förderverein der Schule gibt einen Zuschuss zu den Arbeitsmaterialien. Moyland-Direktorin Dr. Bettina Paust unterstrich, dass die Kunstvermittlung in Moyland teil ihres neuen Konzeptes sei und man extra dafür einen Raum eingerichtet habe.
Auch haben alle Schulen die Möglichkeit, ihre Kinder im Rahmen des außerschulischen Kunstunterrichts an die Juniorakademie zu schicken, sagt sie. Für Fahrt und Material müssen sie allerdings eigene Sponsoren haben. Ausgedacht hat sich das gelungene Konzept die Leiterin der Moyländer Museumspädagogik, Nina Schulze. Sie freut sich, dass das Konzept so gut greift und man gestern erfolgreich den ersten Turnus abschließen konnte. Mit einer schicken Moyland-Urkunde für jedes Kind.
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