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Bedburg-Hau: Moyland: Zurück zu den Inhalten

VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 05.03.2010 - 12:43

Dr. Stefanie Heckmann ist die neue stellvertretende künstlerische Direktorin im Museum Schloss Moyland und wechselt von Berlin an den Niederrhein. Die 46-Jährige will unter anderem die Joseph-Beuys-Forschung ausweiten und Moyland zum Diskussionsforum ausbauen.

Dr. Stefanie Heckmann, neue stellvertretende künstlerische Direktorin im Museum Schloss Moyland.  Foto: Gottfried Evers
Dr. Stefanie Heckmann, neue stellvertretende künstlerische Direktorin im Museum Schloss Moyland. Foto: Gottfried Evers

Jung, selbstständig zielstrebig: Dr. Stefanie Heckmann ist neue stellvertretende künstlerische Direktorin im Museum Schloss Moyland. Im großen RP-Interview mit Julia Lörcks spricht sie über Bastian, Beuys und ihre besonderen Vorlieben.

Sie kommen aus Berlin. Haben Sie Heiner Bastian kennengelernt?

Dr. Stefanie Heckmann Nein, ich kenne Heiner Bastian nicht persönlich.

Der Moyland-Kritiker lässt kein gutes Haar an Ihrer neue Wirkungsstätte, wo sehen Sie die Gründe für sein plötzliches Interesse an Moyland?

Heckmann Ich bin im Zuge meiner Recherchen zu Museum Schloss Moyland auf den Artikel von Heiner Bastian gestoßen und auf seine Petition. Ich habe mich gewundert, dass Heiner Bastian zwölf Jahre nach der Eröffnung und zu einem Zeitpunkt, als die Neukonzeption und das Ende der Moyländer Hängung seit Monaten beschlossene Sache und öffentlich war, seine Kritik formulierte. Wir haben seither mit vielen der Unterzeichnenden der Petition das Gespräch gesucht und festgestellt, dass ein großer Teil Moyland nicht aus eigener Anschauung kannte und zudem nicht wusste, dass mit der Ernennung von Dr. Bettina Paust auch die Entscheidung für die Neukonzeption gefallen war. Über Bastians Gründe möchte ich nicht spekulieren.

Info

Stefanie Heckmann

Geboren: 1963 in Gelsenkirchen.

Studium: Kunstgeschichte und Germanistik in Stuttgart und Heidelberg (1983-1990). Promotion "Fragen des Materials in der Skulptur nach 1945" (1997).

Letzte Stationen: Lehrstuhl für Kunstgeschichte (2004-2007), Akademie der Künste Nürnberg, Deutsches Historisches Museum Berlin (2009).

Inwiefern versuchen Sie mit Ihrer Arbeit da entgegen zu steuern?

Heckmann Dieses Gewicht hat die Kritik von Heiner Bastian nicht. Wir konzentrieren uns derzeit auf Inhalte und arbeiten mit Elan an der Neupräsentation der Sammlung sowie an den beiden kommenden Ausstellungen "Landschaft ohne Horizont" und "Beuys: Energieplan. Zeichnungen aus dem Museum Schloss Moyland".

Sie sind seit Februar stellvertretende künstlerische Direktorin in Moyland. Wie ist es dazu gekommen?

Heckmann Das Signal des Neubeginns war der Auslöser, mich auf diese Stelle zu bewerben. Für mich ist die Vorstellung sehr reizvoll, ein ganzes Haus mit einem solch bedeutenden Bestand neu zu konzipieren und ein Wechselausstellungsprogramm zu entwickeln. Frau Pausts Ideen und meine liegen auf einer Linie. Wir sind beide der Ansicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, das "Sammlermuseum" der Brüder van der Grinten in ein Museum umzuwandeln, das diese Sammlung historisch betrachtet.

Werden Sie Ihren Lebensmittelpunkt auch an den Niederrhein verlegen?

Heckmann Der Niederrhein wird mit Sicherheit ein neuer Lebensmittelpunkt für mich werden. Darauf freue ich mich. Aber natürlich werde ich auch den Kontakt nach Berlin halten.

Erzählen Sie ein bisschen was von sich: Hobbys? Familie?

Heckmann Meine Leidenschaft gilt der Kunst. Ich trenne nicht zwischen Beruf und Freizeit. Ich bin oft unterwegs und schaue mir Ausstellungen und andere Museen an. Mein Lebensgefährte teilt zum Glück diese Leidenschaft.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Heckmann Wir werden 2011 die Neupräsentation vorstellen und bis dahin auch ein Konzept für das Ausstellungsprogramm entwickeln. Zudem planen wir den Kontakt zu anderen Institutionen auszubauen und uns stärker zu vernetzen.

Wo sehen Sie Ihre Ausstellungsschwerpunkte?

Heckmann Das Wechselausstellungsprogramm soll stärker international ausgerichtet sein. Es wird an die wichtigsten Aspekte der Sammlung – insbesondere Joseph Beuys – anknüpfen. Natürlich werden wir auch klassische und aktuelle Themen einbeziehen und künstlerische Einzelpositionen vorstellen.

Und wo sehen Sie Moyland in zehn Jahren?

Heckmann Ich sehe das Museum als Beuys-Zentrum, das national und international mit anderen Beuys-Institutionen kooperiert. Die Voraussetzungen dafür sind, dass wir in unserer Arbeit weiterhin von unseren Stiftungspartnern finanziell und ideell unterstützt werden und das Drei-Stufen-Programm von Frau Dr. Paust in allen Punkten umsetzen können. Voraussetzung ist aber auch, dass sich die Beuys-Forschung wieder auf die Inhalte konzentriert, statt sich gegenseitig in ihrer Arbeit zu behindern.

Das Joseph Beuys Archiv soll stärker in die ständige Sammlung integriert werden. Was schwebt Ihnen da vor?

Heckmann Ein Beispiel: Das Archiv hat einen großen Bestand an Fotografien, den wir stärker in die Präsentation miteinbeziehen werden.

Sie sollen auch für Forschungsprojekte zuständig sein, was könnte das sein?

Heckmann Ich habe gute Kontakte zu verschiedenen Kunstakademien in Deutschland und bin auch in Berlin vernetzt. Wir werden in Zukunft die Forschung ausbauen und Moyland als Diskussionsforum für aktuelle Fragen der Forschung nutzen. Dazu gehört auch, dass Frau Paust und ich die seit sechs Jahren bestehenden Moyländer Diskurse weiterführen und -entwickeln werden.

Wer ist Ihr Lieblingskünstler?

Heckmann Ich habe keine Lieblingskünstler, obwohl ich Joseph Beuys neben Marcel Duchamp für einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts halte. Meine persönlichen Vorlieben sind einem ständigen Wechsel unterworfen. Zuletzt hat mich die Ai Weiwei-Ausstellung in München begeistert.

Hat der Niederrhein mit der Sammlung in Moyland und das künftige Beuys-Atelier in Kleve das "Zeug" zum Beuys-Zentrum?

Heckmann Auf jeden Fall. Wir haben alle zusammen ein Potential und sind in der Region fest verankert. Ich könnte mir in Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit den Museen der Region vorstellen.


 
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