Kreis Kleve: Mützen aus dem Morgenland
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 05.01.2007Kreis Kleve (RPO). Ab heute bringen die Sternsinger im Kreis Kleve den Segen in die Häuser. Die Kinder in St. Georg in Goch freuen sich dabei über besonders schöne Gewänder, die ein Gemeindemitglied extra für sie genäht hat.
Ihre majestätische Würde bewahren die kurzen Könige von Goch nur ein paar Minuten. Die ersten von ihnen schreiten noch brav zum Tisch, legen die Gewänder in Ruhe an und falten sie anschließend sorgsam auf den Stuhl ihrer Gruppe. Je weniger Kostüme aber übrig bleiben desto mehr Kinder drängen in den Raum unter der Kirche Maria Magdalena, der schon bald an Winterschlussverkauf erinnert. Überall wuseln die Sternsinger um die Kleiderständer, Jungs suchen möglichst dunkle Umhänge, Mütter prüfen am Rücken ihrer Töchter die Länge der Untergewänder, alle stürzen sich auf die glänzenden Mützen.
Die Könige
Caspar bedeutet im Persischen Schatzmeister. Er soll Weihrauch zur Krippe gebracht haben.
Melchior Im Hebräischen der König des Lichtes. Er trug das Gold zur Krippe.
Balthasar Der Name steht in der aramäischen Sprache für „Gott schütze das Leben des Königs“. Er brachte die Myrrhe.
Spenden sammeln
Schön kostümierte Sternsinger werden ab heute überall im Kreis Kleve an den Türen klingeln, den Segen „Christus Mansionem Benedicat“ (Christus möge dieses Haus segnen) mit Kreide an die Wand malen oder in gedruckter Form überreichen und Spenden für arme Kinder sammeln.
Passend zum Motto „Kinder sagen ja zur Schöpfung“ steht im Mittelpunkt der Aktion das afrikanische Land Madagaskar. Mit dem gesammelten Geld werden vor allem Schulen unterstützt, damit die madagassischen Kinder dort lernen, sorgsam mit ihrem Lebensraum umzugehen.
Dass die Kinder in der Gocher Gemeinde St. Georg sich über ihre Kostüme so freuen wie über die Süßigkeiten, die es in den nächsten Tagen gibt, ist einer anonymen Spenderin zu verdanken.
Das Gemeindemitglied, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat in wochenlanger Arbeit Mützen, Gewänder und Umhänge genäht. Im Bekanntenkreis oder bei Haushaltsauflösungen sammelt die Handarbeiterin alte Hüte, die sie zuhause mit Spüli reinigt und dann mit Kronen aus silbernem und goldenem Stoff umnäht. Anschließend sehen die Mützen aus, als stammten sie aus dem Morgenland. Egal, ob es regnet, stürmt oder schneit, die mehr als 60 Gocher Kinder ziehen mit warmen Kopf und stabiler Krone von Haus zu Haus.
Umgearbeitet
Für die Umhänge hat die Näherin auf dem Flachsmarkt rote Tücher gekauft und zurecht geschnitten oder alte Vorhänge („aber nicht zu schwere“) umgearbeitet. Die weißen Untergewänder haben überwiegend ein Leben als Laken, Decke oder Tischtuch hinter sich. Edle Gürtel und ein Holzstern mit Spickzettel auf der Rückseite komplettieren den Auftritt. So schnell wie das Gewusel begonnen hat, so schnell ist es wieder vorbei. Noch ein Bild mit Mamas Fotohandy, dann ziehen sich die jungen Könige wieder in ihre Gemächer zurück, um für ihren heutigen Auftritt die Lieder zu üben und den dazugehörigen Spruch auswendig zu lernen.
„Und bestell noch einer schöner Wetter“, sagt eine der Mütter zum Abschied.
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