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Kleve: Museum zum Geburtstag

VON RALF DAUTE - zuletzt aktualisiert: 17.07.2008

Kleve (RPO). Vor genau 100 Jahren, am 17. Juli 1908, startete Gustav Hoffmann sein Unternehmen – passend zum Jubiläum werden die Pläne für ein Klever Schuhmuseum im ehemaligen Hochregallager konkret.

Manfred Leenders müsste eigentlich unter Artenschutz gestellt werden: Er ist der letzte Mann in der Stadt, der noch Schuhe herstellt. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen, als ich in den 60-er Jahren einer von Tausenden war, die bei Hoffmann gearbeitet hatten“, sagt der gelernte Schuhtechniker. Doch sein Geschäft am Mittelweg, das sich auf die Fertigung von Karnevalsstiefeln spezialisiert hat, wird nun der Ausgangspunkt für eine besondere Würdigung des Industriezweigs, der Kleve ein Jahrhundert lang dominierte: Leenders plant gemeinsam mit Reinhold Tobisch und einigen weiteren Mitstreitern den Aufbau eines Klever Schuhmuseums. Pünktlich zu einem wichtigen Jubiläum kann er gute Nachrichten verkünden. Auf den Tag genau hundert Jahre ist es her, dass Gustav Hoffmann sich mit seinem Unternehmen selbständig gemacht hat. Der damals 36-Jährige trennte sich von seinem Kompagnon (und Schwager) Fritz Pannier, die Besitztümer der gemeinsamen Unternehmung wurden per Los geteilt, und zur Verhinderung zukünftiger Streitigkeiten hatten sie eine verblüffend einfache Idee: „Unser Herr Gustav Hoffmann wird im bisherigen Betriebe allein verbleiben und alle Artikel bis zu No. 26 herstellen“, hieß es in der offiziellen Mitteilung zur Aufspaltung des Unternehmens. Pannier durfte erst ab Schuhgröße 27 tätig werden. Hoffmann blieb mit seiner neuen Firma an der Materborner Allee (heute Hoffmannallee). Dort expandierte er, dort schuf er die Jahhundert-Marke elefanten, deren 80-jähriges Bestehen erst kürzlich vom neuen Marken-Eigentümer Deichmann gefeiert wurde. Dort endete auch die Geschichte des Unternehmens, als der letzte Eigentümer des Unternehmens, der britische Konzern Clarks, 2004 den Geschäftsbetrieb einstellte.

Info

Telefonnummer 1

„Auf Anordnung des Königlichen Amtsgerichts werden Sie benachrichtigt, dass Sie am 17. Juli 1908 als Inhaber der Firma ‚Gustav Hoffmann‘ unter der Nummer 223 in das Handelsregister, eingetragen worden sind.“ Mit dieser Mitteilung begann die Karriere von Gustav Hoffmann als Unternehmer. Sie führte ihn zu Erfolgen und Reichtum – er war einer der ersten Autobesitzer in Kleve und fuhr einen Minerva, die Marke der Könige. Sein Telefonanschluss war der erste in Kleve – die Nummer lautete 1. Er sammelte Immobilien wie andere Briefmarken (etwa das Hotel Maywald). Sechs Jahre nach der Gründung hatte Hoffmann 800 Mitarbeiter. Er starb mit 62 Jahren am 2. Februar 1935 bei einem Festball im Hotel Maywald.

Start im nächsten Jahr

Heute ist am Standort das Einkaufszentrum eoc beheimatet, an die frühere Nutzung erinnern nur noch der Schornstein (Werbeträger), das Verwaltungsgebäude (Apotheke, Zahnarztpraxis, Software-Unternehmen) sowie das ehemalige Lager (Coffee House, Zevens Grundbesitz). Und genau dort soll nun das Museum entstehen: „Ab dem nächsten Jahr geht es los“, berichtet Leenders. Dann soll der über dem Café befindliche Teil des ehemaligen Nova-Möbelmarkts abgetrennt werden und Platz bieten für alte Maschinen und Produktionszubehör, für Dokumente und Fotos – und natürlich für Schuhe.

Der Eingang befindet sich an der Siegertstraße – die Besucher werden auf dem Weg zu den Museumsräumen über eine Steintreppe gehen, über die früher die Hoffmann-Arbeiter genutzt haben. „Ein toller Standort“, freut sich Leenders, der hofft, dass möglichst viele Klever sich am Aufbau des Museums beteiligen: „Wir brauchen viele Leute, die uns helfen.“

Respekt vor Schuhen

Wichtig ist Leenders ein Aspekt: „Es soll kein reines Hoffmann-Museum werden. Hier geht es um einen ganzen Industriezweig, der Kleve prägte.“ Leenders selbst bewahrt einige Ausstellungsstücke in einer Vitrine in seinem Büro auf. Besonders angetan hat es ihm ein Paar Kinderstiefel aus den Anfängen des Jahrhunderts. Wenn ein Kind heute damit auf der Straße herumliefe, wäre ein Anruf der Nachbarn beim Jugendamt gewiss. Die Schuhe wurden repariert und ausgebessert, bis sie eine Art Gesamtkunstwerk aus Nägeln und Flicken bildeten. „Leder war damals etwas Besonderes“, so Leenders. „Heute ist der Respekt vor der Ware Schuh verloren gegangen, es ist ein Wegwerfartikel geworden. Doch für mich ist es immer noch eine Erfüllung, einen Stiefel herzustellen.“ Vielleicht kann das Museum dazu beitragen, wieder etwas von dieser Faszination zurückzuholen.“

Quelle: RP

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