Kleve: Nach Unfall: Ein neues Gasnetz für Kalkar?
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 30.12.2009Kleve (RPO). Das Ausschalten des Gasnetzes in Kalkar nach dem Unfall in der Siedlung Freyendahl war derart aufwändig, dass nun die Stadtwerke mit dem Netzbetreiber Gelsenwasser Energienetze GmbH prüfen, ob die Gasleitung auf ein Mittel- oder Hochdrucknetz umgerüstet werden soll. Dadurch könnten die Sicherheitsabsperrventile in den Kellern bei einem drohenden Unglück schneller und automatisch geschlossen werden. Das erklärte gestern Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker auf Anfrage der RP. In Kalkar mussten nach dem Unfall die Gashähne in 954 Haushalten von Monteuren per Hand abgedreht werden, weil hier ein Niederdrucknetz ist. Dadurch ging Zeit verloren. Allerdings: Selbst wenn der Betrieb umgestellt würde, sei ein automatisches Anspringen der Versorgung aus Sicherheitsgründen nicht gewollt, so Gelsenwasser. Die Hähne müssten also nach dem Abschalten bei jedem Netz durch Einsatz von Monteuren in den Kellern geöffnet werden.
Vor der Entscheidung über den Netzwechsel müssten noch die Kosten für die Umrüstung ermittelt werden, teilte Becker mit. Bei der Veränderung der Druckstufe müssten keine Gaszähler in den Haushalten ausgetauscht werden, so dass den Kunden keine Kosten entstünden.
Grundsätzlich sei eine Sanierung des Netzes nicht erforderlich, betonte die Gelsenwasser-Sprecherin. Eine Überprüfung der Leitungen und der Gasschieber sei in diesem Jahr erfolgt. 15 Leckstellen seien entdeckt worden. In der Nähe von Häusern seien die "Löcher" sofort abgedichtet worden. Alle zwei Jahre ließen die Stadtwerke das Netz von einer unabhängigen Firma überprüfen, obwohl dies nur alle vier Jahre vorgeschrieben sei, so Becker. Wie es zu der Verpuffung im Keller des Hauses im Freyendahl gekommen war, sei noch nicht geklärt und werde weiterhin untersucht.
Keine Entschädigung
Nach den allgemeinen Bedingungen für die Versorgung bestehe leider kein Anspruch auf Entschädigung für nicht geliefertes Gas bzw. für die damit verbundenen Nachteile, erklärte Gelsenwasser. Den betroffenen Kunden entstünden selbstverständlich keine Kosten durch den Einsatz der Monteure. Erst mit der Sperrung des gesamten Versorgungsnetzes mit der Druckstufe 22 Millibar sei ein "sicherer Zustand" erreicht worden. Dies habe weiteres, unkontrolliertes Ausströmen von Gas an der Unglücksstelle verhindert, so das Unternehmen. Zunächst sollte bekanntlich mit einem Schieber die Leitung nur zur Siedlung abgeklemmt worden. Das hat aber nicht funktioniert. Wegen der Gefahr habe es keine Zeit gegeben, nach dieser Ursache zu suchen, hatten die Stadtwerke gesagt. Sie bedankten sich gestern ausdrücklich für die Geduld und das Verständnis dafür, dass 4500 Menschen in Kalkar fast 30 Stunden im Winter ohne Heizung ausgeharrt haben.
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