Kleve: Nachts jagen, tagsüber baumeln
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Kleve (RPO). Mindestens zwölf Arten von Fledermäusen leben im Kreis Kleve. Gerade im Spätsommer nehmen sie gelegentlich unerwünschten Kontakt zu Menschen auf. Sie suchen sich Schlafplätze in Wohnhäusern – etwa an Gardinenstangen.
Kreis kleve Ihr Umherflattern kann man mit dem von Vögeln nicht verwechseln. Zum einen, weil es hektischer wirkt, zum anderen, weil ein normaler Vogel um die Zeit, in der die Fledermaus sich auf die Jagd begibt, längst brav in seinem Nest hockt. Auch im Kreis Kleve sind die kleinen "Vampire" heimisch. Sie schwirren in bäuerlichen Gehöften ebenso umher wie in ganz modernen Gärten. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat kreisweit zwölf Arten von Fledermäusen nachgewiesen. Der Fachmann für die kleinen Räuber ist Hermann-Josef Windeln aus Geldern.
Hilfe gegen Invasion
Kreisweit aktiv
Der NABU ist der mitgliederstärkste Naturschutzverband in Deutschland.
Im Kreis Kleve hat der NABU derzeit etwa 2800 Mitglieder. Viele von ihnen helfen, vor Ort Daten zu erheben.
Woran der NABU im Kreis arbeitet: Kopfweidenpflege, Heckenanpflanzungen, Betreuung von Kleingewässern und Amphibienschutzzäunen, Schutz von Eulen und Fledermäusen, Nistkästenbau.
Der Naturschützer und seine Kollegen erfassen nicht nur die Fledermaus-Vorkommen, sie helfen auch Menschen, die sich einer Invasion der kleinen Nager gegenübersehen. "Es passiert gar nicht so selten, dass Fledermäuse in Wohnhäuser eindringen. Gerade im Spätsommer, wenn die unerfahrenen Jungtiere flügge werden, kann das leicht geschehen." Ein auf Kipp stehendes Fenster gewährt manchmal ganzen Gruppen von ihnen Einlass. "Sie suchen sich ein Versteck im Haus, um den Tag zu verschlafen. Recht geeignet scheinen ihnen zum Beispiel Gardinenstangen und Vorhänge", weiß Susanne Röpling, beim NANU NRW Fledertier-Fachfrau.
Sie rät davon ab, gegen die fliegenden Mäuse vorzugehen. Obwohl sie im Prinzip völlig harmlos seien, könnten sie beißen, wenn sie in ihrer Ruhephase gestört würden. Windeln: "Die einfache Lösung des Problems ist, am Abend die Fenster weit zu öffnen, dann fliegen sie sicher wieder raus." In den folgenden Tagen sollten die Fenster dann besser geschlossen bleiben, sonst würden die Tiere schnell heimisch. Unverständlich ist Windeln, dass Menschen oft mit Angst oder Ekel auf Fledermäuse reagieren – beides sei völlig unnötig.
Am häufigsten kommt in unserer Region die Zwergfledermaus vor, erklärt der Gelderner, der verwaiste Exemplare schon zu Hause aufgezogen hat. Als Quartier dienen den kleinen Tieren zum Beispiel Firstbalken in zugänglichen Gebäuden. Auch Nistkästen sind willkommen. "Zwergfledermäuse sind so klein, dass sie in jede Nische passen. Oft stoßen Dachdecker bei der Arbeit auf sie."
In Geldern und Issum hat Windeln in Spechthöhlen auch die Wasserfledermaus gefunden, unter anderem in Kevelaer und Emmerich kommt die gefährdete Breitflügelfledermaus vor. Einige Arten ziehen nur durch, andere leben das ganze Jahr am Niederrhein. Ob Graues Langohr, Großer Abendsegler, Kleine Bart- oder Mückenfledermaus – sie alle sind Windeln bekannt.
Wer den kleinen Insektenjägern helfen will, sollte in seinem Garten auf Insektizide verzichten, einheimische Pflanzen kultivieren und Hohlräume in Gebäuden und Bäumen erhalten. Tierfreunde, die Scheune, Garage oder Dachboden "zur Verfügung stellen", müssen kaum fürchten, dass sich die Tierchen in den Wohnzimmer-Vorhängen niederlassen.
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