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Kleve: Nein zur Gesamtschule

VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 01.10.2010

Kleve (RPO). Der Schulausschuss hat sich am Donnerstag mehrheitlich gegen die Einrichtung einer Gesamtschule in Kleve ausgesprochen. Die Materborner Hauptschule wird noch ein weiteres Jahr bis Ende des Schuljahrs 2011/12 betrieben.

Galgenfrist für die Materborner St.-Anna-Hauptschule: Schulaufsichtsbeamtin Angelika Platzen stimmt einer Aufrechterhaltung des Schulbetriebs für ein weiteres Jahr zu. Die Ausschussmitglieder auch.   Foto: RPO
Galgenfrist für die Materborner St.-Anna-Hauptschule: Schulaufsichtsbeamtin Angelika Platzen stimmt einer Aufrechterhaltung des Schulbetriebs für ein weiteres Jahr zu. Die Ausschussmitglieder auch. Foto: RPO

Die Chancen auf die Errichtung einer Gesamtschule in Kleve sind seit gestern Abend deutlich geschwunden. Der Schulausschuss beschloss gestern mehrheitlich, "den Antrag auf Errichtung einer Gesamtschule abzulehnen, zumal die Nachbarkommunen einem Zweckverband nicht beitreten wollen". Vertreter von SPD und Grüne hatten sich für die Gesamtschule ausgesprochen.

Hintergrund war, dass der Stadtrat beschlossen hatte, eine Stellungnahme der Gemeinden Kranenburg und Bedburg-Hau sowie der Stadt Goch anzufordern. Die fiel dann ziemlich eindeutig aus: Kranenburg und Bedburg-Hau sehen den Standort der Hauptschulen in ihren Gemeinden als gefährdet an, falls eine Gesamtschule errichtet würde.

Die Stadt Goch befürchtet in diesem Fall eine Gefahr für die "Leistungsheterogenität der Schülerschaft". Keine der drei Kommunen ist bereit, einem Zweckverband zur Finanzierung des Projekts beizutreten.

Info

Gesamtschul-Initiative

Der Schulausschusssitzung wohnten auch einige Vertreter der "Gesamtschul-Initiative Kleve" als Zuhörer bei.

Die Initiative um Christian Nitsch, Martin Hiller und Jens-Uwe Habedank stützt sich auf in ihren Augen verlässliche Zahlen: 60 Prozent der Eltern hätten sich in einer Umfrage für eine Gesamtschule in Kleve ausgesprochen.

Die Initiative beklagt sich unter anderem darüber, dass die Stadt Kleve versuche, die Einführung einer Gesamtschule möglichst negativ darzustellen.

Die Verwaltung hatte vorgerechnet, dass auf die Stadt Kleve hohe Kosten zukämen, wenn sie die Gesamtschule alleine finanzieren müsste. Insgesamt zahle die Stadt nach neun Jahren einen Betrag von 286 650 Euro jährlich für die Schüler aus den übrigen Kommunen. Außerdem seien noch die Kosten zu stemmen, die sich gegebenenfalls durch die Auflösung der Hauptschulen in Kranenburg und Bedburg-Hau ergäben, weil diese Schüler dann die Hauptschule in Kleve besuchen müssten.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Jörg Cosar sprach sich gegen die Gesamtschule aus, weil "Kleve ein solides, gutes Schulsystem hat. Eine Gesamtschule passt nicht ins System. Sie bringt Verunsicherung bei Schülern, Lehrern und Eltern." SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Frantz verwies hingegen auf einen "Elternwillen, der sich deutlich artikuliert hat. Der Bedarf besteht. Das ist dokumentiert." Michael Bay von den Klever Grünen sagte, dass die "ganztägige Gesamtschule sinnhaft für unser Klever Schulsystem" sei und "zu mehr Bildungsgerechtigkeit" führe.

Eine Galgenfrist gewährten die Mitglieder des Schulausschusses einstimmig der Materborner Hauptschule. Eigentlich wollte der Schulausschuss über die Schließung der Hauptschule bereits zum Schuljahr 2010/2011 beraten. Für die St.-Anna-Hauptschule hatten sich für das Schuljahr 2010/2011 lediglich elf Schüler angemeldet. Weil die Mindestzahl von 18 Schülern damit unterschritten ist, müsste sich die Schule nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich selbst auflösen.

Dann jedoch informierte Schulamtsleiterin Annette Wier den Auschuss darüber, dass Schulaufsichtsbeamtin Angelika Platzen einer Aufrechterhaltung des Schulbetriebs für ein weiteres Schuljahr zustimme. Damit ist die Materborner Hauptschule nun wohl gerettet – zumindest für ein Jahr.

Foto
Stephan Derks und Annette Wier (Kulturamt), Ausschussvorsitzender Udo Janssen, Bürgermeister Theo Brauer und Kämmerer Willibrord Haas (von links) bei der Schulausschusssitzung. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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