Kleve: Neonazis vor Kleves Toren
VON MAX MENN - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008Kleve (RPO). „Strukturen und Strategien der Neonazis“ war das Thema eines Vortrages im Klever Kolpinghaus,
der Klever Bürger für die von Neonazis ausgehende Gefahr sensibilisieren sollte.In Kleve sind seit einigen Monaten Rechtsextremistische Strukturen zu erkennen. Anfang des Jahres wurde der NPD Kreisverband Kleve-Krefeld und eine Ortsgruppe der Autonomen Nationalisten mit einer entsprechenden Internetseite gegründet. Antisemitismus, Hass auf die USA und den Kapitalismus sind Teil ihrer Ideologie. Spätestens in einem Jahr werden in Kleve Nazimärsche auftauchen, befürchtet der freie Journalist Jürgen Peters.
Peters war vom Arbeitskreis „KleverInnen gegen Nazis“ zu einem Vortrag über „Strukturen und Strategien der Neonazis“ mit anschließender Fragerunde ins Kolpinghaus eingeladen worden. Der Arbeitskreis wurde nach der ersten NPD-Mahnwache im Dezember des letzten Jahres gegründet, mit dem Ziel, Aufklärung zu leisten und „etwas gegen die Nazis zu tun“. Für Bernadette Romnes und ihre zehn Mitstreiter des Arbeitskreises stand fest: „Nazidemos wollen wir in Kleve nicht haben!“
Etwa 100 Zuhörer
Sein Vortrag ließ am Dienstag Abend gut 100 Klever Bürger ins Kolpinghaus strömen. Dr. Artur Leenders, der als Moderator durch den Abend führte, betonte, hoch erfreut über die „Präsenz der jungen Leute“ zu sein. Etwa ein Drittel der Zuhörer waren jünger als 20 Jahre.
Mit der Geschichte der NPD und der Ausbildung der rechtsextremen Szene vor allem in NRW begann Peters seinen Vortrag. „Mitte der 90er Jahre waren viele Neonazis vom Partei-Alltag der NPD gelangweilt“, erläutert Peters den damaligen Mitgliederschwund der NPD. Ihr Anliegen war es nicht, Gesetzestexte zu lesen, sondern ihre Meinung auf die Straße zu tragen. Es kam zur Bildung der ersten freien Kameradschaften unter Führung des Rechtsextremisten Christian Worch, deren Organisationsstruktur individuelles selbstbestimmtes Handeln zulässt, referierte Peters. Kameradschaften lassen sich im Gegensatz zu Parteiverbänden ohne größere Probleme bilden und sind über Aktionsbüros miteinander verbunden, so Peters.
Peters betonte: „Diese freien Kameradschaften, die sich seit 2004 in NRW oft als autonome oder soziale Nationalisten bezeichnen, bieten ein besonders großes Anziehungspotenzial für Jugendliche.“ Der Rechtsextremismus habe sich zu einer Subkultur entwickelt, in der Jugendliche und junge Erwachsene eine Erlebniswelt vorfänden. Jedes Wochenende finden irgendwo in Deutschland zwei bis drei rechte Konzerte statt. „Musik ist das ideale Mittel den Nationalismus näher zu bringen“ zitierte Peters einen Neonazi.
Von Presse, Politik und Bürgern fordert Peters: „Immer dann zugreifen, wenn ein NDPler den Kopf aus dem Sand steckt“. Protest hilft meist mehr als Gleichgültigkeit.
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