Kleve: Neue Wege für alte Schätze
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 03.10.2006Kleve (RPO). Bei der 600-Jahr-Feier zur Klostergründung der Gaesdonck sagte Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff Hilfe bei der Restaurierung der Klosterbibliothek zu. In dem alten Gemäuer schlummern unschätzbare Werte.
goch-gaesdonck Eng an die alten Mauern geschmiegt schlummern in der Gaesdoncker Klosterbibliothek Bücher von unschätzbarem Wert. In den Nischen ragen die Regale bis zur weiß verputzten Decke, darin Bücher, so alt wie der Buchdruck selbst, groß und schwer, mit prächtigen Einbänden und einem noch kunstvolleren Innenleben. Rund 160 Inkunabeln – so genannte Wiegendrucke aus der ersten Zeit des Buchdrucks – reihen sich hier dicht an dicht. Wer sie aufschlägt, ist fasziniert von den winzigen Malereien, die in einigen Büchern zu finden sind. Denn auch wenn die Schrift in diesen aus dem 15. Jahrhundert stammenden Wälzern bereits gedruckt wurde – die kleinen Illuminationen sind oft handgemalt. Jörg Baden, pensionierter Englisch- und Geschichtslehrer der Gaesdonck, betreut Anfragen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, die sich für die Klosterschätze interessieren. Er schlägt eines der schweren Bücher auf. Die „Summa theologica“ von Thomas von Aquin, zwei Bände in einem Buch, eines von 1478, das zweite von 1480. Mit goldener Farbe belegt schimmern die Illuminationen auf der Seite noch einmal so schön.
Wertvolle Schätze
In der Gaesdoncker Klosterbibliothek befinden sich neben 21 mittelalterlichen Handschriften rund 160 Inkunabeln, die Bibliothek umfasst etwa 6000 Bände aus dem theologischen, philosophischen, historischen und naturwissenschaftlichen Bereich.
Besonders bekannt sind die einzigartigen Musikdrucke, die dort bewahrt werden.
Außerdem lagert dort auch das Archiv des ehemaligen Klosterguts Graefenthal.
Die Ausstellung mit historischen Exponaten aus der Klosterbibliothek wird nach den Herbstferien wieder im Kreuzgang zu sehen sein. Interessierte werden um Voranmeldung gebeten.
Schutzlos ausgeliefert
Doch die Bücher, die in dem ehemaligen Kloster seit Jahrhunderten schlummern, sind gefährdet. Baden deutet auf eine Regalreihe. „Diese hier würde ich nie anrühren“, sagt er traurig. „Sie würden unter meinen Händen zerbröckeln.“ Um welche Werke es sich bei einigen von diesen handelt, weiß man nicht genau. Als im Februar 1945 auch die Gaesdonck unter Beschuss lag, wurde die Bibliothek getroffen. Viele Bücher lagen danach monatelang unter freiem Himmel, waren den Widrigkeiten der Witterung schutzlos ausgeliefert. Die Feuchtigkeit setzte den Seiten zu, ließ manche schweren Wälzer wie feste Blöcke zusammenkleben. Andere Einbände weisen noch Durchschüsse auf, in manchen steckt noch eine Kugel. Bei den Feierlichkeiten zur Gründung des Klosters vor 600 Jahren zeigte sich der Staatssekretär für Kultur in NRW, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, derart begeistert von den Schätzen in der Bibliothek, dass er für die Restaurierungsarbeiten spontan 4000 Euro zusagte. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie Grosse-Brockhoff erklärte, „aber vielleicht ein Anfang.“ Für Schulleiter Hans-Georg Steiffert ist klar, dass etwas getan werden muss. Nur wie das geschehen und finanziell zu schaffen sein soll, bedarf noch der Diskussion. „Wir müssen im Bereich der Restaurierung und Konservierung neue Wege finden“, sagt Steiffert zuversichtlich. Im Augenblick steht die Gaesdonck in engem Kontakt mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege in Brauweiler, um gemeinsam mit den Experten nach neuen Wegen zu suchen. Eine der mittelalterlichen Handschriften oder Inkunabeln zu verkaufen, um eine zügige Restaurierung einzuleiten, kommt für Steiffert nicht in Frage. Der Bestand soll komplett erhalten bleiben. Er stellt klar: „Ein Ausverkauf, wie er derzeit in Baden-Württemberg betrieben wird, ist für uns ausgeschlossen.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







