Kleve: „Nicht die Hängung ist wichtig“
zuletzt aktualisiert: 10.03.2007Kleve (RPO). NRW-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff ist bereit, Schloss Moyland zu einem Beuys-Zentrum von internationalem Rang auszubauen und für eine Änderung des 80:20 Schlüssels zu werben.
Nach der gescheiterten Suche eines neuen Museumsleiters für Museum Schloss Moyland schlugen die Wogen hoch im Klever Land. RP-Redakteur Matthias Grass sprach mit dem NRW-Staatssekretär für Kultur, Hans Heinrich Grosse-Brockhoff.
Herr Grosse-Brockhoff, wie viel hat das Land seit der Eröffnung 1997 für Moyland gezahlt?
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff Seit der Eröffnung leisteten wir einen Betriebskostenzuschuss von rund 24 Millionen Euro. Der Wiederaufbau für Schloss und Vorburgen etc. schlägt mit rund 21 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt sind das rund 45 Millionen Euro, die das Land für Moyland aufbrachte.
Wie hoch ist der Jahresetat?
Grosse-Brockhoff Zum Etat zahlt das Land derzeit 2,3 Millionen Euro. Rund 575 000 Euro zahlen die regionalen Zuwendungsgeber, Kreis, Gemeinde und Förderverein, hinzu kommen rund 600 000 Euro Einnahmen. Wir haben also beim Zuschuss ein Verhältnis von 80 Prozent für das Land und 20 Prozent für die Region.
Seit sie 200 000 Euro zusätzliche Mittel eingefroren haben, wird gemunkelt, das Land wolle sich aus der Verantwortung um Museum Schloss Moyland zurückziehen?
Grosse-Brockhoff Davon kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Ich darf die zusätzlichen 200 000 Euro gar nicht auszahlen, weil die Region nicht mitzieht und der Anteil von 80:20 verschoben wäre. Aber ich bin grundsätzlich bereit, im Kabinett für eine Änderung dieses Schlüssels zu werben.
Das würde Kreis, Gemeinde und Förderverein entlasten. Unter welchen Voraussetzungen würden Sie dies tun?
Grosse-Brockhoff Wenn ich wüsste, dass in Moyland die Voraussetzungen stimmen, um dieses einzigartige Museum und Archiv zu dem zu entwickeln, was es verdient und was auch in ihm steckt.
Was sollte verändert werden?
Grosse-Brockhoff Bei allem Verständnis für historisch gewachsene Strukturen sollten wir, nachdem keiner der Stifter mehr den künstlerischen Direktor stellt, dessen Position und die des Verwaltungsdirektors stärken. Und da ist meines Erachtens schon zu fragen, ob neben diesen beiden noch ein ehrenamtlicher dreiköpfiger Vorstand sinnvoll ist und dessen Aufgaben nicht von den Direktoren und dem ja zusätzlich vorhandenen Kuratorium übernommen werden sollten.
Welchen Einfluss haben die Sammler auf die Präsentation im Schloss?
Grosse-Brockhoff Die Sammler-Familie hat über Franz-Joseph van der Grinten ein Veto-Recht, was Änderungen in der Hängung der Sammlung anbelangt. Aber auch hier muss ein neuer künstlerischer Direktor Veränderungen vornehmen können. Ich hatte nach dem Workshop des Kuratoriums am Karnevalssamstag auch eigentlich das Gefühl, dass wir alle ein Stück weiter gekommen wären und verstehe jetzt, ehrlich gesagt, die ganze Aufregung nicht.
Die Stelle des künstlerischen Leiters wird wieder ausgeschrieben . . .
Grosse-Brockhoff Wir haben auf der einen Seite einvernehmlich die Findungskommission erweitert und versuchen auch, mögliche Kandidaten anzusprechen. Die oder der Neue muss dann aber auch wirklich künstlerischer Leiter sein. Es wäre auch schön, endlich jemanden zu bekommen, der sowohl das Vertrauen der Stifter-Familien als auch der Familie Beuys hat und die bisher bestehenden Zwistigkeiten beendet.
Wo sehen sie die Zukunft von Museum Schloss Moyland?
Grosse-Brockhoff Moyland hat aus meiner Sicht das Potenzial zu einem Beuys-Zentrum von internationalem Rang. Aber dazu gehört, dass Beuys und die Kunst im Vordergrund stehen und nicht eine bestimmte Hängung.
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