Niederrhein: Nikolaus Schneider: Der Protestant von nebenan
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010 - 12:13Niederrhein (RPO). Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, ist in Duisburg geboren, arbeitete als Pfarrer in Rheinhausen, kam als Diakoniepfarrer nach Moers, wo er auch als Superintendent wirkte.
Menschen sind für ihn wichtiger als Kapital. Er liebt das direkte Wort, auch gegen Politiker wie Guido Westerwelle, wenn sie sich sozial ins Abseits begeben. Nikolaus Schneider gilt vielen als Linksprotestant. Seit 2003 ist Schneider Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf und Mitglied im Rat der EKD, der Evangelische Kirche in Deutschland. Nach dem Rücktritt von Bischöfin Margot Käßmann im Februar wurde Schneider auch kommissarischer Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland. Von seinem Büro in Düsseldorf-Derendorf aus lenkt er die protestantische Kirche im Rheinland. Demnächst vielleicht von ganz Deutschland?
Er selber ist ein Kind des Niederrheins, allein von Geburt, aber auch durch seine früheren Ämter. Dazu bekennt sich Schneider auch immer wieder. Als er als Präses Anfang Mai im alten Moerser Hafthaus das Ruhr 2010-Projekt "Schattenkultur" mit eröffnete, berichtete er in seiner Ansprache davon, wie er als junger Diakonie-Pfarrer dort im Hafthaus ein- und ausgegangen war, wie sehr ihn die Geschichten der dort Inhaftierten beschäftigten.
Nikolaus Schneider
Geboren am 3. September 1947 in Duisburg, 1966 Abitur am Steinbart-Gymnasiujm in Duisburg-Stadtmitte, Studium der evangelischen Theologie an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal und den Universitäten in Göttingen und Münster. Ordination 14. November 1976, 1977 bis 1984 Pfarrer in der Erlöserkirche Rheinhausen. 1984 bis 1991 Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Moers, 1987 bis 1997 Superintendent im Kirchenkreis Moers, 1997 bis 2003 Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, seit 2003 Präses, bis 2013 gewählt. Seit dem 24. Februar 2010 kommissarischer Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands.
Fit im Tor wie auf der Kanzel
Geboren wurde Nikolaus Schneider als Sohn eines Hochofenarbeiters aus Duisburg-Huckingen am 3. September 1947 in Duisburg. Dort wuchs er auf, ging zur Schule und hütete beim VfL Hüttenheim das Tor. Im Fußball kennt er sich bestens aus. Das WM-Spiel Deutschland-Ghana kommentierte er live im Internet (www.evangelisch.de). Nach dem Theologie-Studium in Wuppertal, Göttingen und Münster wurde er 1976 ordiniert. Seine erste Pfarrstelle übernahm er 1977 in Rheinhausen. Dort engagierte er sich für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Kohle- und Stahlindustrie und gründete eine kirchliche Firma des zweiten Arbeitsmarktes. Doch schon 1984, vor dem großen Streik und der Brückenbesetzung von 1987, wechselte er nach Moers, wo er bis 1991 Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Moers war. Nach nur drei Jahren wurde er Superintendent im Kirchenkreis Moers – was er bis 1997 blieb. Danach ging er als Vizepräses der Evangelischen Kirchen im Rheinland nach Düsseldorf. 2003 wurde er Nachfolger von Präses Manfred Kock, 2005 wurde er für weitere acht Jahre bestätigt.
Nikolaus Schneider wurde Vater dreier Töchter. Meike, seine jüngste, starb 2005 an Leukämie. Ihr Kampf gegen die Krankheit wurde als Tagebuch "Ich will mein Leben tanzen" veröffentlicht. Zusammen mit seiner Frau Anne verarbeitete Niklolaus Schneider die Trauer über den frühen Tod der Tochter in dem Buch "Wenn das Leid, das wir tragen, uns den Weg weist", erschienen in der Neukirchener Verlagsgesellschaft.
Seine Herkunft und seine Biographie haben Schneider auch in seinen Ämtern für soziale Fragen empfänglich gemacht. Er hat sich auch bei vielen Themen politisch eingemischt, stand zum Beispiel Margot Käßmann bei, als sie wegen ihrer Afghanistan-Äußerung kritisiert wurde.
Nach dem Rücktritt von Margot Käßmann wird er dabei um so deutlicher wahrgenommen, auch außerhalb des Rheinlandes. In einem Kirchenwort mahnt er an, für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr könne man ein einfaches "Weiter so" nicht hinnehmen.
Schon früher hat sich Schneider gegen die zu großen Dimensionen des Moscheeneubaus in Köln gewandt, heute wettert der Präses gegen Wirtschaftskrise, Abbau des Sozialstaates und die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken. Beim Johannisempfang am Berliner Gendarmenmarkt Anfang dieses Monats warb Schneider unter der Überschrift "Eine lernende Gesellschaft wird aus Schaden klug" dafür, die ganze Gesellschaft müsse sich "als Lerngemeinschaft begreifen und wechselseitig in Anspruch nehmen."
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