Kleve: Nutria-Jagd kann Biber treffen
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 11:47Kleve (RPO). BUND warnt Deichverband vor Jagd auf die Ratten – es könnten Biber getroffen werden. Diese großen Nager sind inzwischen entlang des Rheins heimisch geworden. In Kleve leben Biber im Bereich des Tweestrom-Gebietes.
Man sieht ihn nicht – und doch ist er da, hier in Kleve: der Biber. Er wohnt in Erdbauten oder in "Wasserburgen", frisst Rinde und Blätter, und wird 1,40 m groß und 35 kg schwer. Der Biber ist ein extrem guter Schwimmer und Taucher und steht schon seit den 20er Jahren unter Schutz. Bereits in den 50er Jahren wurden Tiere in den stark reduzierten Beständen wieder ausgewildert.
Jetzt bläst der Deichverband zur Jagd auf Nutrias. Karl-Heinz Burmeister vom BUND warnt: "Das könnte auch unsere Biber treffen!"
Als die schwerfälligen Fellträger mit ihren dicken Bäuchen vor Jahren im niederländischen Kekerdom am Rhein ausgewildert wurden, gab's einen Fotografen-Auftrieb wie bei Hollywoodstars. Inzwischen leben Biber nicht nur in den niederländischen Gebieten, sondern auch in Bislich. In Kleve zeigen typische Spuren an den Bäumen, dass der Biber hier heimisch ist. Der Tweestrombereich und Gebiete entlang des Rheins sind als Biberschutzzone ausgewiesen.
Nutrias
Die Nutrias sind ähnlich groß wie Biber und können im Wasser schwimmend leicht verwechselt werden. In Gebieten mit Fischotter- oder Bibervorkommen ist es verboten, Nutrias in Totschlagfallen zu töten. Geschossen werden dürfen Nutrias nur an Land, ebenfalls um eine Verwechslung zu vermeiden, so die Bezirksregierung Düsseldorf. Gejagt werden darf die Nutria dort eigentlich nur mit Lebendfallen.
Erstmals vor vier Jahren
Reiner Vermeulen aus Kleve hat den guten Schwimmer, der in der Regel nachts unterwegs ist, schon entdeckt. "Der hat hier regelrechte Pfade angelegt", sagt Vermeulen. "Die ersten Biber hab' ich vor vier Jahren gesehen", sagt der passionierte Angler. Er vermutet, dass die Klever Biber von denen in Kekerdom ausgewilderten abstammen oder von Bislich her eingewandert sein können. Vermeulen und sein Enkel sind fasziniert von der Kunst der Nager, einen Baum fachgerecht zu fällen.
"Auf jeden Fall werden sie über offene Gewässer gekommen sein, weil der Biber ja an Land eher schwerfällig ist", sagt Vermeulen. Er wehrt sich deshalb gegen die Verschüttung eines Teils des Tweestroms, die den Biotop-Verbund unterbrechen würde: "Da würde ein Biber nicht mehr weiterziehen."
Karl-Heinz Burmeister vom BUND weist nochmals daraufhin, dass von der Bezirksregierung in Gebieten, wo Biber vorkommen, die Jagd auf Nutrias streng reglementiert wird. "Darauf haben wir bereits hingewiesen", sagt Burmeister. Das sei aufgrund der verkürzten Darstellung in der Presse aber vom Deichverband falsch verstanden worden: Der Verband wies Vorwürfe, er habe bereits illegale Methoden angewandt, weit von sich.
Das sei auch nicht Inhalt seiner Warnung, so Burmeister: "Tatsächlich haben wir davor warnen wollen, dass bestimmte Jagdmethoden auf Nutrias in Bibergebieten illegal sind", sagt Burmeister. "Die Rundverfügung der Bezirksregierung untersagt auch dem Deichverband, illegale Beifang-Methoden anzuwenden, bei denen Biber getötet werden können." Und dazu sollte es auch keine Ausnahmen geben, fügt der BUND-Mann an.
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