Kleve: Osterhasen und das Ticket nach Berlin
VON JÜRGEN LOOSEN - zuletzt aktualisiert: 17.05.2008Kleve (RPO). Götterdämmerung für die Galionsfigur der FDP im Kreis Kleve Paul K. Friedhoff ? Das mag der geneigte Beobachter der politischen Szenerie für übertrieben formuliert halten, die Fakten sprechen eine andere Sprache. Denn wenn sich ein eher unbeschriebenes Blatt wie der Uedemer Wirtschaftswissenschaftler Ralf Klapdor traut, seinen Hut in einen Ring zu werfen, in dem schon die riesige Kopfbedeckung der seit zahllosen Jahren unbestrittenen Nummer 1 der FDP im Kreis liegt, dann kann eigentlich nur derjenige an einen Alleingang glauben, der auch den Osterhasen für den Überbringer der bunt-bemalten Eier zum Fest hält. Wer das aber nicht tut, dem ist klar, dass Klapdor gerade kein „Solo für Uedem“ aufs politische Parkett legt, sondern er schlicht die Speerspitze einer neuen FDP-Generation ist. Und die Truppen längst hinter sich versammelt weiß, dem Vernehmen nach vor allem südlich von Kleve.
Wie groß diese blau-gelbe „Armee“ indes ist, darüber kann nur spekuliert werden, ehe es zu dem mit Spannung erwarteten Duell der Generationen im August kommt, wenn die 330 Mitglieder der Freidemokraten im Weezer „Waldhaus Dicks“ entscheiden, welchen Weg die Partei bis zum Jahr 2013 einschlägt – den seit den neunziger Jahren gewohnten oder einen völlig neuen. Zwar war hinter vorgehaltener Hand schon von manchem Liberalen nichtöffentliche Kritik am Machtpolitiker aus Kleve geübt worden, dem zum Beispiel vorgeworfen wird, dass er sich zu wenig um seinen Wahlkreis kümmere, weil er einfach zu weit weg wohnt. Aber jetzt ist eine neue Dimension erreicht, weil die Gegenkandidatur den länger schwelenden Konflikt ans Licht der Öffentlichkeit zerrt. Freilich hat der auch wegen seiner Fachkenntnis seit Jahren unter FDP-Denkmalschutz stehende Unternehmer aus Kleve dennoch genügend Asse im Ärmel, um sich noch einmal durchsetzen zu können. Kreuz Ass: Der bis in die allerhöchsten liberalen Zirkel geschätzte Friedhoff (zu dessen 65. Geburtstag beispielsweise Ober-Boss Guido Westerwelle höchstpersönlich anreiste) schafft mit seinem Einfluss problemlos eine Absicherung auf der Landesliste, die gleichbedeutend mit dem Ticket nach Berlin ist. Will heißen: Er garantiert, dass die Kreis-FDP ein Wort in der Hauptstadt mitspricht. Was seinem Kontrahenten schwer fallen dürfte.
Alle Macht der Basis: Die FDP-Mitglieder, und nur sie ganz alleine, werden wissen müssen, ob die Zeit reif ist für den Wachwechsel oder ob der legitime Angriffsversuch der jüngeren Generation fünf Jahre zu früh kommt.
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