Niederrhein: Pauken in den Ferien
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 20.07.2009Niederrhein (RPO). Nicht alle Schüler dürfen in der Ferienzeit nur faulenzen, denn einige müssen für die Nachprüfung büffeln.
Doch auch das kann Spaß machen, wie die Rheinische Post herausgefunden hat.Julia würde jetzt wahrscheinlich lieber mit ihren Freundinnen ein Eis essen. Oder sich bei dem sonnigen Wetter im Freibad vergnügen. Stattdessen muss sie Mathe pauken.
Die 16-Jährige hat die Versetzung von der 9. in die 10. Klasse nicht gepackt. Ihr bleibt aber noch eine Chance: Wenn die Schülerin die Nachprüfung in Mathe besteht, dann wird sie doch noch in die 10. Klasse versetzt. Doch von diesem Ziel trennen sie noch eine schriftliche und eine mündliche Prüfung in ihrem Horror-Fach am Ende des Schuljahrs. "Ich habe noch einigen Nachholbedarf in Mathe. Da muss ich jetzt durch. Etwas ärgerlich ist dabei, dass ich abends nicht so lange raus kann", sagt Julia, die jetzt dreimal in der Woche zur Schülerhilfe in Geldern geht.
Simon Kretschmer hilft der Schülerin bei der Vorbereitung auf die große Prüfung. Der Pädagoge leitet die Schülerhilfe in Geldern. Mit Nachprüfungskandidaten hat er in den Sommerferien immer wieder zu tun. Um die Prüfung zu schaffen, kommen die meisten von ihnen über vier Wochen zwei- bis dreimal pro Woche für eineinhalb Stunden. "Hausaufgaben bekommen sie auch auf", sagt Kretschmer. Dass das Fach Mathematik zur Hürde für die Versetzung wird, komme übrigens häufig vor, sagt Kretschmer. Dicht gefolgt von den Hauptfächern Deutsch und Englisch. "Ich habe aber auch mal jemanden im Fach Chemie auf die Nachprüfung vorbereitet", sagt der Nachhilfe-Lehrer.
Simon Kretschmer gibt sich Mühe, seinen Schülern auf Zeit das Lernen so leicht wie möglich zu machen. "Es gibt auch schon Mal ein Eis", sagt er augenzwinkernd. Und um den Unterricht so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, "beißt" er sich nicht so lange an einem Thema fest. "Ein wenig Abwechslung muss schon sein." Trotzdem: "Den Ehrgeiz und die Motivation, in die nächste Klasse zu kommen, müssen die Schüler schon selbst mitbringen", stellt er klar. Für Julia ist dies kein Problem: "Ich sehe die Nachprüfung als Chance, Nicht-Gelerntes aufzubereiten. Ich werde es schaffen."
Der Unterricht in der Schülerhilfe findet meist in Gruppen von zwei bis drei Schülern statt. "Die kleinen Gruppen ermöglichen uns, auf die Probleme jedes Schülers auch einzeln einzugehen", erklärt der Lehrer. Gleichzeitig sehen die Lernenden, dass sie mit ihrem Nachprüfungs-Problem nicht allein dastehen, dass andere auch einen Teil ihrer Ferien zum Pauken opfern müssen.
Wenn Julia oder einer der anderen Schüler dann plötzlich etwas Kompliziertes durchschaut haben, ist das für alle Beteiligten ein tolles Gefühl und ein großer Erfolg. "Wenn ich sie einmal gepackt habe, machen viele es sogar gerne", sagt Kretschmer und lacht.
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