Kleve: Polizei – harte Auslese
VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010 - 16:35Kleve (RPO). Judith Burghardt und Tim Tebeck mussten sich einem mehrtägigen Testverfahren stellen, um zum Studium an der Fachhochschule zugelassen zu werden. Als angehende Kommissare brauchen sie vor allem eins: eine stabile Psyche.
kreis kleve Schon in der neunten Klasse stand für Judith Burghardt fest, was sie werden möchte: Polizistin. "Ich wollte einen abwechslungsreichen Beruf, der mir jeden Tag etwas Neues bietet. Nur in einem Büro herumzudümpeln, kam für mich nicht in Frage", sagt die 21-Jährige. Ein Praktikum bei der Polizei bestärkte sie in ihrem Wunsch. "Der Job ist nicht nur abwechslungsreich, sondern erfordert auch Teamfähigkeit, Selbstbewusstsein und Einfühlungsvermögen. Direkt nach dem Abi habe ich mich beworben."
Regelrecht durchleuchtet
Duale Ausbildung
Die Berufsausbildung in Deutschland wird als "duale Ausbildung" oder als "duales System" bezeichnet, da die Lerninhalte an zwei Lernorten vermittelt werden. Die berufspraktische Ausbildung findet im Betrieb statt. Die Berufsschule übernimmt die fachtheoretische Ausbildung.
So wie der jungen Frau aus Kapellen, die in Geldern den praktischen Teil der Ausbildung absolviert, geht es vielen Schulabgängern. "Nachwuchssorgen haben wir nicht", sagt Rüdiger Reusch, Hauptkommissar und Koordinator der Ausbildung im Kreis Kleve. Ein krisensicherer Job, Gehalt während des dreijährigen Bachelor-Studiums und ein immer noch in großen Teilen der Bevölkerung hoch angesehener Beruf reizen viele Bewerber. Doch das Auswahlverfahren für das Studium an der Fachhochschule Duisburg, das seit zwei Jahren die Polizeischule ersetzt, hat es in sich.
Abgesehen davon, dass die Anwärter körperlich topfit sein müssen – das Deutsche Sportabzeichen ist Grundvoraussetzung – erwartet sie ein dreitägiges Testverfahren, das sie intellektuell und emotional regelrecht durchleuchtet. "Wir müssen wissen, ob die Bewerber den täglichen Belastungen, die der Polizeiberuf mit sich bringt, gewachsen sind. Das gilt vor allem für ihre Psyche", erklärt Reusch. In Rollenspielen wurde Judith Burghardt bewusst provoziert. Sprüche wie "Du kannst doch gar nichts" musste sie kühl und emotionslos kontern. "Wenn uns Leute beleidigen, meinen sie nie die Person, sondern die Polizei als Ganzes", sagt sie. Wer das verinnerlicht habe, könne etwa betrunkenen Randalierern gefestigt gegenübertreten.
Ist das Testverfahren überstanden, treten die Bewerber das Studium an. Das birgt, wie Judith Burghardts Kommilitone Tim Tebeck erzählt, einige Überraschungen. "Ich fand es kurios, dass wir wie in der Schule in einem Klassenraum sitzen und pauken", sagt der 22-Jährige aus Duisburg, der ebenfalls in Geldern eingesetzt wird. Alle vier Monate müssen sich die Studenten theoretischen und praktischen Tests stellen. Wer zwei Mal durchfällt, ist raus. "Der Druck ist schon da, aber wenn man es wirklich will und motiviert ist, schafft man es auch", sagt er.
Judith Burghardt hat ihre Entscheidung bisher keine Sekunde bereut. Auch ihr Umfeld reagierte positiv. Nur an Karneval kamen ein paar Sprüche. "Plötzlich wollten alle meine Freunde von mir festgenommen werden oder beglückwünschten mich zu meinem gelungenen Kostüm. Aber damit kann ich leben", sagt sie und lacht.
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