Kleve: Polnische Helfer stechen weiter
VON SARAH DICKMANN UND PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 04.04.2008Kleve (RPO). Der Deutsche Bauernverband fürchtet, dass Spargelstecher nach Großbritannien abwandern. Die Landwirte im Kreis Kleve wissen: Viele kommen wieder. Denn in England ist nicht nur der Lohn höher, sondern auch das Leben teurer.
kreis KLEVE Auf den Feldern an der Gerberstraße strecken die ersten Spargelstangen vorsichtig ihre gelben Spitzen aus der Erde. Heinz Kempkes aus Twisteden ist der erste Landwirt in der Region, bei dem das Edelgemüse in diesem Frühjahr reif für die Ernte ist. Acht Männer aus Polen stehen bei ihm pünktlich zum Beginn der Saison bereit, um sich um den Spargel rund acht Hektar großen Kempkes-Hof zu kümmern. Der Deutsche Bauernverband sorgt sich um die Spargelernte, weil die größtenteils polnischen Erntehelfer mittlerweile lieber in Länder wie England oder Irland gehen. Dort dürfen sie unbefristet arbeiten und werden besser bezahlt.
Der Trugschluss
„Die bessere Bezahlung ist oft ein Trugschluss“, weiß Kempkes’ Kollege Franz Allofs, Vorsitzender der Walbecker Spargelbauern. „Vielleicht ist der Lohn in Großbritannien auf den ersten Blick höher, aber die Lebenshaltungskosten sind es auch.“ Außerdem passe die Mentalität der Engländer nicht so gut mit der der Polen zusammen wie die deutsche.
Deshalb kämen in diesem Jahr viele Polen, die im vergangenen Jahr „abgewandert“ seien, zurück nach Deutschland. Auf seinem 31 Hektar großen Gelände arbeiten in dieser Saison 70 Spargelstecher, 75 hatten sich beworben. Dass die polnischen Erntehelfer ausbleiben, kenne er nur von Kollegen aus anderen Regionen, nicht aber aus dem Gelderland.
„Wenn man die Leute vernünftig behandelt, kommen sie wieder“, erklärt Allofs. 6,50 Euro pro Stunde bekommen die Spargelstecher in der Region für ihre Arbeit, zudem werden sie auf den Höfen untergebracht, für die sie arbeiten. Allofs beschäftigt zum großen Teil Stecher, die jedes Jahr aufs Neue von Februar bis Juni für ihn arbeiten. Auch der Walbecker Spargelbauer Kisters hat eine feste Mannschaft aus 14 Personen, die jedes Jahr wiederkehrt.
Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, weiß, dass im vergangenen Jahr einige Betriebe zwar zahlreiche Zusagen von Erntehelfern hatten, die dann aber nicht erschienen sind. „Man kann immer erst sicher sein, ob alles glatt geht, wenn die Erntezeit begonnen hat“, sagt Peters. Es sei jedoch klar, dass man keine deutschen Helfer für diese Arbeiten gewinnen könne, so dass die Bauern auf Hilfe aus dem befreundeten Ausland angewiesen seien, erklärt der Landwirt.
Spargelbauer Kempkes klagt: „Ich hätte gern mehr Helfer.“ Das Problem ist aber auch bei ihm nicht, dass er keine Erntehelfer findet. Sondern, dass anhand der Betriebsgröße bemessen wird, wie viele Stecher er einstellen darf. Gerade gestern war Kempkes beim Arbeitsamt, um weitere Kräfte anzufordern. Zurückgekehrt ist er mit schlechten Nachrichten. „Irgendwie komme ich schon zurecht, aber eigentlich beschäftige ich nur 80 Prozent der Kräfte, die ich gebrauchen könnte.“
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