Kleve: Produkt- oder Kundenkenner?
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008Kleve (RPO). Die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve lud zum zweiten Mal zum Fachleute-Treffen. Vor über 200 Unternehmern wurden in drei Vorträgen interessante Szenarios und Perspektiven für die Zukunft vorgestellt.
„Praxisbeiträge von Praktikern zur Umsetzung ins Alltägliche“ versprach Hans-Josef Kuypers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve, den zahlreichen Gästen aus Handwerk, Einzelhandel, Unternehmen, Wirtschaftsförderung, Tourismus, Gastronomie und dem Hotelgewerbe beim zweiten „Fachleute-Treffen für wissenschaftlich Interessierte“ des Forums Kreis Kleve im Bürgerhaus Uedem. Präsentiert wurde die Veranstaltung von RP und Antenne Niederrhein.
Demografischer Wandel
Petra Klug von der Bertelsmann Stiftung eröffnete den Informationsabend mit ihrem Beitrag zum Thema „Jung wird alt – der demographische Wandel fordert heraus“. „Wir werden weniger und wir werden älter“ war dabei die Kernaussage, die Klug anhand von kommunalen Beispielen belegte.
Für den Landkreis Kleve wurde beispielsweise errechnet, dass die Zahl der 50- bis 64-Jährigen bis zum Jahr 2020 von etwa 50 000 auf über 80 000 steigen wird. Diese sogenannte Altersstrukturentwicklung oder Fragen rund um die Bildungswanderung (Kommen Jugendliche nach Ausbildung oder Studium wieder in den Kreis zurück?) sind natürlich auch von enormer Bedeutung für sämtliche Wirtschaftszweige, und so galt es dieses Wissen während des Vortrags von Hilmar Juckel zu berücksichtigen.
Als Geschäftsführer der BBE Retail Experts Unternehmensberatung entwarf der diplomierte Betriebswirt sein „Handelsszenario 2015 – Perspektiven, Trends und Profilierungsstrategien“.
In elf Thesen (darunter „Renaissance der Innenstädte“, „Zielgruppenkonzepte“, „Tante Emma kehrt zurück“, „Nachhaltigkeit“) gegliedert, analysierte Juckel die dynamische Weiterentwicklung des Handels in den kommenden Jahren und prognostizierte das fortschreitende Aussterben des Facheinzelhändlers, während die Discounter weiter wachsen werden. Pessimisten sollten bis 2015 mit einem Wachstum von 3,7 Prozent für den Handel rechnen, Optimisten mit 12,7 Prozent. Vermutlich liegt die Wahrheit jedoch wie so oft in der Mitte.
Den anwesenden Mittelständlern riet Professor Karl Born von der Hochschule Harz in seinem Vortrag „Gastronomie als Urlaubsmotiv – was sollte die Region dafür tun?“ insbesondere dazu, vom Produktkenner zum Kundenkenner zu werden. Das Produkt sei nur das Vehikel, um den Kunden glücklich zu machen, denn der Konsument von heute gehe selbstverständlich davon aus, dass die Ware in Ordnung sei. „Im Gegensatz zu früher sind die soft facts, also die Dienstleistung drumherum, entscheidender als das Produkt selbst“, so Karl Born.
Als ehemaliges Mitglied des TUI-Vorstands sieht er zukünftig „Regionales als deutlichen Gegenpol zur Globalisierung, gerade in der Gastronomie“. Der Unterschied zwischen einem normalen Essen und Kulinarik liege laut Born in der Vermarktung. Daher sei es fernab aller Prognosen für Unternehmer nach wie vor besonders wichtig, zu zeigen, dass man nicht nur sein Produkt liebt, sondern auch und vor allem den Kunden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







