Kleve: Rhein: Die Alarmglocken läuten
VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 04.01.2011 - 10:37Kleve (RPO). In Düsseldorf herrscht schon Panik, der Deichverband Kleve-Xanten bleibt noch gelassen. Wenn allerdings der Schnee schmilzt und dazu auch noch Regen einsetzt, droht Hochwasser eines bisher noch unbekannten Ausmaßes.
Am Abend des 30. Januar 1995 rief Ruldolf Kersting den Katastrophenfall aus. Mehr als 10 000 Menschen aus Wyler, Zyfflich, Teilen Kranenburgs, Niel, Meer, Keeken, Bimmen, Rindern und Donsbrüggen wurden evakuiert. 9,82 Meter war der Rhein damals hoch, der Deich bei Kekerdom und Ooij drohte zu brechen, eine Flutwelle stand bevor. Etwa eine Woche zuvor warnte der Deichverband noch vor Panikmache.
Heute, fast 16 Jahre später, droht dem Kleverland ein ähnliches Szenario. Es gab ordentlich Schnee, Tauwetter hat sich angekündigt, doch der Deichverband Kleve-Xanten (DVKX), der bleibt bisher gelassen. "Der Pegel sinkt, gestern war der Rhein bei Emmerich gerade einmal 3,50 Meter hoch. Von Hochwasser sind wir also noch sehr weit entfernt", sagt Karl-Heinz Tepper, beim DVKX für den Hochwasserschutz zuständig. Und auch Hans-Heinrich Beenen aus Warbeyen, seit drei Wochen neuer Deichgräf, sagt: "Das ist doch alles etwas übertrieben."
Neuer Deichgräf
Durch den Tod von Johannes Heisterkamp im Juli 2010, wählte der Deichverband im Dezember einen neuen Deichgräf. Es ist Hans-Heinrich Beenen, 56 Jahre alt, aus Kleve-Warbeyen. Beenen ist hauptberuflich Landwirt und war zuvor fünf Jahre im Erbentag und sechs Jahre im Deichstuhl tätig.
Tatsächlich, die Wasserstände des Rheins sind seit ein paar Tagen gesunken. Erreichte der Rhein am zweiten Weihnachtstag noch 6,75 Meter, so waren es am gestrigen Montag lediglich 3,50 Meter. Tendenz sinkend. Falls es jedoch taut und dazu auch noch der Regen einsetzt, dann – so sind sich auch Tepper und Beenen einig – droht ein Hochwasser eines bisher noch unbekannten Ausmaßes.
Auch Roland Schlapka (SPD), Vize-Regierungspräsident, sagt: "Wenn die Temperaturen schnell ansteigen und es gleichzeitig starken Regen gibt, muss man sich auf eine Flutwelle gefasst machen."
"Ob und wie viel Niederschlag kommt, können wir aber jetzt noch nicht sagen. Fest steht aber, dass unsere Deiche 11 000 bis 14 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fassen können", so Beenen. Dazu kommt, dass die Deiche zwischen Kleve und Xanten seit 1989 saniert werden. 38 Kilometer lange Hochwasserschutzanlagen sind davon betroffen.
"Eine Maßnahme in Kalkar-Wisselward, rund 0,5 Kilometer, steht kurz vor der Fertigstellung. Für 2011 werden von Xanten-Wardt bis Xanten-Vynen rund 2,7 Kilometer Deich saniert", sagt Tepper. Die Kosten betragen etwa zwei bis drei Millionen Euro pro Kilometer.
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