Kleve: Rübo-Gas soll umziehen
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 08.10.2010Kleve (RPO). Die Stadt Kleve will die Firma Rübo-Gas umsiedeln. Der Standort des Betriebs birgt offenbar Hindernisse für die angrenzende Hochschule Rhein-Waal. Ein TÜV-Gutachter hat die Verträglichkeit des Standortes untersucht.
Nach dem ersten Blick auf den Bebauungsplan für die Hochschule Rhein-Waal (HRW) hatte Gerd Rübo (70) nur ein Anliegen: Retten, was noch zu retten ist. "Die hatten uns offenbar völlig vergessen", sagt Rübo. Mit "uns" ist seine Firma Rübo-Gas gemeint, die am Ende des Sommerdeichs liegt und bei den Planungen der Hochschul-Bauer keine Berücksichtigung erfuhr. Dabei lagern auf dem Gelände des Unternehmens 120 000 Liter Gas. In der Woche werden zudem 200 Tonnen Gas über den Sommerdeich transportiert. "Eine Hochschule neben einem Gaslager, das passt einfach nicht", wusste Gerd Rübo ziemlich zügig. Nachdem er bei der Stadt Kleve auf die Existenz seines Betriebs hingewiesen hatte, wurde ihm nahegelegt, doch mal nachzurechnen, was ein Umzug denn so kosten würde. Nach ersten Schätzungen würde die Umsiedlung – und die ist von der Stadt Kleve gewünscht – nicht zu verachtende 3,5 Millionen Euro verschlingen.
Die Firma Rübo-Gas
Das Unternehmen wurde 1976 von Gerd Rübo sen. als Einzelhandelsfirma gegründet. Im Jahr 1986 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH mit Gerd Rübo sen. als Geschäftsführer. Derzeit sind 16 Mitarbeiter bei Rübo-Gas beschäftigt. Gerd Rübo jun., Ilka Linden-Rübo und Dirk Linden führen den Betrieb als Geschäftsführer. Gerd Rübo sen. ist Eigentümer und Anteilseigner der GmbH.
Zaun aufs Grundstück gesetzt
Gerd Rübo hat, seitdem die Hochschule der neue Nachbar seines Gasunternehmens ist, ein paar schlaflose Nächte mehr. "Ich habe Angst", sagt der 70-Jährige. Seine Einstellung zu dem Standort der Fachhochschule ist mit gesunder Skepsis noch wohlwollend umschrieben: "Ich freue mich auch darüber, dass die Hochschule Rhein-Waal in Kleve gebaut wird. Nur habe ich Sorgen, was unsere Firma betrifft." Und die scheinen nicht unbegründet. So hat die Stadt Kleve, die die Planungshoheit für die HRW besitzt, offenbar zunächst mal den Zaun rund um das Hochschulgelände auch auf den Grund und Boden von Gerd Rübo setzen lassen. Es gibt weder einen Pachtvertrag, noch hat Rübo das Land an die Stadt verkauft. "Es handelt sich um 160 Quadratmeter, die uns gehören und die bereits dem Hochschulgelände zugerechnet werden", sagt Rübo. Der Gas-Händler hat nichts dagegen, den Streifen Land abzugeben, nur will er wenigstens vorher gefragt werden.
Dass bei einer Behörde nicht zwangsläufig alles seine Zeit braucht, erfuhr Rübo, als er urplötzlich zur Eintragung einer Baulast ins Rathaus gerufen wurde. Der Vorgang war von der Verwaltung in die Rubrik "reine Formsache" einsortiert worden. "Es gäbe da eine Unterschrift zu leisten, hieß es", sagt Rübo. Er verweigerte diese, da er seine nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigungspflichtige Anlage nicht gefährden wollte: "Wenn ich auf dem angrenzenden Grundstück bauliche Veränderungen zulasse, die Einfluss auf die Anlage haben könnten, gefährde ich eventuell die Zulassung für unseren Gastank."
Sorgen macht sich Gerd Rübo auch über die Zufahrt zu seinem Firmengelände. Er befürchtet, dass, wenn die Kanalarbeiten für die Hochschule beginnen, der Sommerdeich für Gefahrengut gesperrt wird. "Das wäre tödlich für das Unternehmen", sagt er.
Juristischer Beistand
Einen Vertrag, zu dem es zahlreiche Fragen gibt, hatte die Verwaltung ihm zugeschickt. In dem ist unter anderem festgehalten, dass er gegen die Hochschule nicht klagen darf. Rübo hat diesen nicht unterschrieben und sich juristischen Beistand gesichert. "Bislang habe ich in den wenigen Gesprächen mit der Stadt nicht das Gefühl gewonnen, dass man sich auf Augenhöhe unterhält und versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden", beschreibt der Eigentümer das aktuelle Verhältnis zu der Verwaltung. Die Anfrage von Gerd Rübo bei der Stadt, ob man nicht lediglich den gefährlichen Gastank auslagern könne, wurde verneint: "Man will uns hier lieber ganz weghaben."
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