Kleve: Ruwel: Rats-Mehrheit sagt Nein zur Bürgschaft
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 20.12.2008Kleve (RPO). KREIS KLEVE Anderthalb Stunden lang diskutierten die Mitglieder des Gelderner Rats hinter verschlossenen Türen. Dann fiel in geheimer Abstimmung die Entscheidung: 28 Ratsmitglieder lehnen ab, dass die Stadt Geldern mit einer Bürgschaft für den Leiterplattenhersteller Ruwel in die Bresche springt. Vier Ratsmitglieder stimmten für das Hilfspaket, sieben enthielten sich. Nach RP-Informationen geht es um eine Million Euro. Weitere 800 000 Euro wollte der Betrieb offenbar aus anderen Quellen bereitstellen. Die Zahl könne er so nicht bestätigen, sagte Ruwel-Geschäftsführer Thomas Wittig auf RP-Anfrage. Dass es die Bürgschafts-Anfrage gab, bestätigte er. Und betonte: „Wir haben keine aktuelle Liquiditätsfragestellung innerhalb von Wochen.“
Die Bürgschaft der Stadt Geldern sollte für den Konzern, der als Zulieferer für die Autoindustrie von den Problemen der Branche betroffen ist, nach Informationen der RP ein Schritt sein, um mit dieser Sicherheit eine Landesbürgschaft zu erhalten. Bürgermeister Ulrich Janssen wollte sich nicht zu dem Fall äußern, sagte jedoch: „Die Stadt Geldern tut immer alles dafür, um wichtige Firmen am Standort zu halten und Arbeitsplätze zu sichern.“ Ob dies als Ankündigung einer andersgearteten Unterstützung für Ruwel zu verstehen ist, wollte Janssen nicht bestätigen.
Ungewöhnlich: Verhandlungsführer zwischen Stadt und Ruwel soll nach RP-Informationen Bernd Zevens sein. Zevens ist früherer Eigentümer der Ruwelwerke, die mittlerweile im Besitz der englisch-amerikanischen Investorengruppe Bear Stearns, BlueBay Asset Management und Cargill Value Investment sind. Die Investmentbank Bear Stearns, die 20 Prozent an Ruwel hält, war im März selbst in heftige Turbulenzen geraten. Angeblich sind die aktuellen Schwierigkeiten von Ruwel auf die Investoren zurückzuführen, die kein Kapital mehr zur Verfügung stellen sollen.
Die Mitarbeiter wissen derzeit noch nichts von der Bürgschaftsanfrage. „Es gibt keinen akuten Informationsbedarf. Wir sind in einer ganz normalen Situation“, so Wittig.
Über Weihnachten ruht die Produktion, im Januar startet Kurzarbeit. Wittig: „Wir denken, dass wir die Mitarbeiter mit dem Instrument Kurzarbeit halten können.“
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