Kleve: Sauer werden ohne Milch
zuletzt aktualisiert: 12.04.2008Kleve (RPO). An Streiks im Öffentlichen Dienst haben wir uns ebenso gewöhnt wie an Ausstände bei der Post und in der Metallindustrie. Jetzt kommt etwas Neues auf uns zu. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter droht mit einem Lieferboykott. Im Sommer soll die Milch, die laut einem legendären Werbespot angeblich gegen „Maroditis“ hilft, zur Mangelware werden.
Die Produzenten dieses frischen Lebensmittels sind sauer. Längst deckten die Erlöse die Kosten nicht mehr, klagen sie. In die Enge getrieben fühlen sich die Bauern durch weltweit agierende Konzerne, die wegen ihrer Marktmacht die Preise diktieren können.
Von der Streikandrohung werden die sich kaum beeindrucken lassen. Die ganze Aktion ist denn auch eher als ein Hilferuf der Landwirte zu verstehen, die nach den Preissteigerungen in anderen Sektoren in jüngster Vergangenheit eher Grund zur Zufriedenheit hatten. Die Daumenschrauben der Einkäufer werden nicht gelockert werden. Dass Strom und Gas billiger werden, ist mittelfristig nicht zu erwarten. Diese „zweite Miete“ wirkt sich auch auf die Geldbörsen der Milchtrinker aus.
Werden die sauer sein, wenn im Sommer der Milchstrom versiegt? Dazu wird es, auch bei einem Lieferboykott, nicht kommen. Die grenzüberschreitenden Lieferungen werden die Lücken füllen. Denn dass die Landwirte aus Dänemark oder den Niederlanden ihren niederrheinischen Berufskollegen aus lauter Solidarität helfen werden, ist kaum zu erwarten.
MICHAEL KLATT
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