Kleve: Schülern droht Verlosung
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 28.01.2011Kleve (RPO). Die Empfehlungen für die weiterführenden Schulen sind nun unverbindlich. Grundschullehrer sind frustriert. Realschul-Leiter befürchten Schüleransturm. Mit Pech landen fürs Gymnasium Geeignete auf der Hauptschule.
Die Empfehlung für die weiterführenden Schulen, die dem Zeugnis der Viertklässler angeheftet wird, ist nicht mehr wert als das Papier auf dem sie geschrieben steht: Eltern müssen sich nicht mehr nach ihr richten. Im Klartext bedeutet dies: Bestehen beispielsweise Eltern, deren Kindern eine Empfehlung für die Hauptschule haben, darauf, dass ihr Kind ein Gymnasium besucht, dürfen Gymnasialrektoren die Aufnahme des Kindes nicht verweigern.
"Situation ist unbefriedigend"
Hermann Josef Leimbach, Rektor der St.-Michael-Grundschule Reichswalde hat für diese Situation wenig Verständnis: "Ich halte die Unverbindlichkeit der Schulempfehlungen für nicht richtig. Dann müssten wir die Empfehlungen doch gar nicht mehr schreiben", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Und weiter: "Was nützt es denn, wenn ein Kind an eine Schule geht, die nicht geeignet ist? Das führt nur zu Misserfolgen. Das Kind benötigt Nachhilfe, fühlt sich nicht wohl." Auch für die Lehrer sei die Situation unbefriedigend. Sie machten sich viel Mühe mit den Empfehlungen, die am Ende doch nicht beachtet werden müssen.
Große Unsicherheit
Am Konrad-Adenauer-Gymnasium hat ein Tag der offenen Tür stattgefunden. Konrektorin Claudia Schweizer: "Die Unsicherheit der Eltern bezüglich der Schulempfehlungen ist groß." Es sei nicht gut, wenn der Ehrgeiz der Eltern zu weit gehe. Das schade dem Kind.
Besonders den Realschulen droht nun ein Ansturm der Schüler. Jürgen Schmitz, Schulleiter der Ganztagsrealschule Hoffmannallee, sagt: "Wir beraten – die Eltern entscheiden. Am Ende zählt der Elternwille." Wenn die Eltern eines Kindes mit Hauptschulempfehlung sich für die Realschule an der Hoffmannallee entscheiden, werde das Kind dort auch angemeldet. Das bedeute jedoch nicht, dass das Kind auch dort aufgenommen wird. "Wenn die Aufnahmekapazitäten unserer vierzügigen Schule überschritten werden, gibt es Lenkungsgespräche unter Einbeziehung des Schulträgers und der Schulaufsicht", sagt Schmitz.
Und das funktioniert so: Ein Gremium bestehend aus Bürgermeister Theo Brauer, Schulamtsleiterin Annette Wier und dem jeweiligen Schulleiter untersucht, ob es Gründe gibt, die für eine Aufnahme des Kindes sprechen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn bereits ein Geschwisterkind die Schule besucht. Alle Schüler, die nicht an der gewünschten Schule untergebracht werden können, ganz gleich welche Empfehlung sie besitzen, kommen in eine Verlosung. Annette Wier: "Das ist eine ganz blöde Situation. Es kann passieren, dass ein Kind mit Hauptschulempfehlung einem Gymnasium zugelost wird und umgekehrt."
Gespräch als letzte Hoffnung
Der Direktor des Freiherr-vomStein-Gymnasiums, Claus Hösen, und die stellvertretende Schulleiterin des Konrad-Adenauer-Gymnasiums, Claudia Schweizer, setzen darauf, dass sie Eltern eines Kindes ohne Gymnasialempfehlung im Gespräch von der Einhaltung der Empfehlung überzeugen können.
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