Kreis Kleve: Schweigen am Flughafen
VON CORINNA KUHS UND STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 30.04.2009Kreis Kleve (RPO). Erst morgen will die irische Fluglinie Ryanair ihre Entscheidung zum Niederrhein-Airport bekannt geben. Ihr Ultimatum lief gestern ab. Derweil gibt es Gespräche mit allen Beteiligten, um den Bestand des Flughafens zu sichern.
Ausgerechnet am "Tag der Arbeit" will Ryanair verkünden, wie es mit der Basis am Airport Weeze weitergehen soll. Noch sei keine Entscheidung getroffen, sagte gestern ein Sprecher der irischen Fluggesellschaft. Diese werde erst morgen fallen und verkündet. Ryanair hatte ein Ultimatum gestellt: Entweder wird der Gerichtsbeschluss, der eine Kürzung der Betriebszeiten des Airports Weeze vorsieht, zurückgenommen, oder Ryanair schließt seine Basis am Niederrhein. Bis gestern sollte es ein Signal geben, hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary gefordert. Offiziell kam keines.
Ultimatum verstreicht
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Ryanair-Ultimatum verstreicht, ohne dass es eine Redaktion aus Dublin gibt. Als Ryanair im vergangenen Herbst mit der Kommunalverwaltung des spanischen Valencia im Clinch lag und eine Aussage bis zum 17. Oktober verlangt hatte, geschah bis zum 24. Oktober nichts. Erst dann erklärte die Fluglinie, dass sie ihre Androhung wahr machen und die Basis schließen werde.
Hinter verschlossenen Türen werden derzeit nach RP-Informationen allerdings Gespräche mit allen Beteiligten geführt, um die Zukunft des Airports Weeze zu sichern. Weder Airport-Chef Ludger van Bebber noch die Bezirksregierung Düsseldorf wollten sich gestern dazu äußern. Eine geänderte Betriebsgenehmigung ist nicht beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht worden, sagte Gerichtssprecher Ulrich Lau. Zudem habe eine überarbeitete Betriebsgenehmigung keinen Einfluss auf den bestehenden Beschluss der gekürzten Betriebszeiten: "Die Voraussetzung wäre eine Änderung der Sach- und Rechtslage." Heißt: Wenn beispielsweise die Eilanträge zurückgezogen würden, bestünden neue Voraussetzungen. Von dem Ryanair-Ultimatum sei der 20. Senat, der das Verfahren um den Airport betreut, unbeeindruckt. "Für uns hat das überhaupt keine Bedeutung. Uns kann man nicht unter Druck setzen", sagte Lau. Bezirksregierungs-Sprecher Bernhard Hamacher erklärte, es werde weiterhin "alles geprüft", auch die Möglichkeit einer geänderte Betriebsgenehmigung.
Die Tatsache, dass verhandelt wird und das Ultimatum vorerst folgenlos verstrich, sorgte gestern bei Angestellten und Geschäftsleute auf dem Airport für ein wenig Hoffnung. "Ryanair soll ja knallhart sein", sagt Wolfgang Peters von der Park-Service-Firma Apcoa. "Also ist die Verlängerung der Frist vielleicht ein gutes Zeichen. Andererseits bedeutet es zwei Tage länger Zittern." Peters gehörte zu der Mitarbeiter-Delegation, die am Dienstag 7300 Unterschriften für den Erhalt des Airports an NRW-Finanzminister Helmut Linssen übergab: "Er hat gesagt, sein Herzblut hänge ebenfalls an dem Flughafen."
"Vertrauen in Herrn van Bebber"
Auch Roswitha Pfeifer, die am Airport einen Laden mit Geschenkartikeln und Zeitschriften betreibt, gibt die Hoffnung nicht auf. "Obwohl ich mich als Ladenbesitzerin im Moment recht bescheiden fühle", sagt die Twistedenerin. Drei Arbeitsplätze stünden bei ihr schlimmstenfalls auf der Kippe. "Ich habe aber großes Vertrauen in Herrn van Bebber", sagt sie. "Er hat so viel erreicht in den vergangenen Jahren."
"Wir hatten kürzlich noch eingestellt, weil alles so gut lief", sagt Elisabeth Butt, die in der Flughafen-Gastronomie arbeitet. Nun sei die Stimmung unter der Belegschaft eher bedrückt. "Ich habe aber noch Hoffnung", sagt die Gocherin.
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