Kleve: Segen für Heim und Stall
VON STEPHAN DERKS - zuletzt aktualisiert: 27.12.2006Kleve (RPO). Traditionelle Pferdesegnung zog erneut Aberhunderte von Pferdefreunden mit ihren Vierbeinern nach Kessel. Pfarrer Norbert Hürter und zahlreiche Schaulustige erlebten gestern ein farbenprächtiges Bild.
goch-kessel Katja Meurs, die Breitensportbeauftragte des Reiterverein Kranenburg, war früh am Morgen des 2. Weihnachtstages mit ihrer Gruppe vom Reiterdorf in Frasselt aufgebrochen. Ihr Ziel: Die Kirche des Heiligen Erzmärtyrers Stephanus in Kessel. Und das aus gutem Grund: Schließlich gilt dieser als Schutzpatron für Pferde und Kutscher. Daher findet alljährlich in der Niersgemeinde eine traditionelle Pferdesegnung statt. Und das schon seit 375 Jahren.
Kein Egoismus
Pferde unterschiedlichster Größe und Rasse, deren Reiter und Fahrer den kirchlichen Segen erfahren wollten, um ihre Tiere vor Schaden und Krankheiten zu bewahren, damit sie auch im Neuen Jahr viel Freude an ihnen haben. „Achtet die Euch überlassene Kreatur, seht sie nicht als reines Sportgerät sondern als Wesen an, die Euch anvertraut wurden“, gab Ortspfarrer Norbert Hürter bei seiner 13. Pferdesegnung den Reitern und Pferdebesitzern mit auf den Weg. Zudem solle man sich gerade im Pferdesport nicht vom blinden Egoismus treiben lassen. Denn es wäre vermehrt zu beobachten, dass Neid und Missgunst über den Erfolg des anderen die Reiterszene beherrsche. Und wenn dann noch der „sportliche“ Ehrgeiz soweit vorangetrieben werde, dass er außerhalb der Möglichkeiten des Tieres stehe, werde es höchste Zeit, sich zu überprüfen. Denn oftmals würden Pferde zu Unrecht abstraft, der Fehler beim Tier und nicht bei sich gesucht. Dabei wäre grundsätzlich davon auszugehen, dass die Tiere bestrebt seien, ihr Bestes zu geben. „Versucht daher auch die kleinen Erfolge in den Vordergrund zu rücken und Euch vermehrt der guten Zusammenarbeit mit dem Partner Pferd zu erfreuen“, so der Geistliche. Pfarrer Norbert Hürter erfreute sich erneut über das farbenprächtige Bild, das sich ihm bot. Eine bunte Schar in unterschiedlichster Aufmachung, von denen einige auch gar ihre Pferde in die weihnachtliche Dekoration mit eingebunden hatten. Angeführt von der Musikkapelle des Schützenvereins Kessel-Nergena zogen Reiter und die Fahrer mit ihren prächtigen Gespannen an Pfarrer Hürter vorbei, um nach dem Segen die Dorfkirche zu umreiten oder zu umfahren. Auch das gehörte ebenso zur Tradition, wie der anschließende Umzug durch die Straßen des Spargeldorfes, an dessen Ränder die viele Schaulustigen den Weg säumten. Was die Gruppe des RV Kranenburg um Katja Meurs anbelangte, so machte sich diese quer durch den Reichswald auf den Heimweg in Richtung Frasselt, wo im Casino der Reithalle am Treppkesweg ein kräftiger Imbiss auf die Reiter wartete.
19 Gespanne
Zahlreiche Pferde und 19 Gespanne hatten sich bei Temperaturen um die 3 Grad zur Pferdesegnung auf dem Kirchenvorplatz in Kessel versammelt. Vor 46 Jahren waren es gerade einmal zehn Reiter.
Den Sicherheits- und Ordnungsdienst übernahm die Feuerwehr, die von Mitgliedern der St. Stephanus Gilde und des RFV von Driesen Asperden-Kessel unterstützt wurde.
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