Kleve: Sibirien am Schloss
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 14.12.2006Kleve (RPO). Gestern eröffnete wieder die Turmbläser den Weihnachtsmarkt rund um Museum Schloss Moyland mit seinen 80 Ständen voller hochwertigem Kunsthandwerk. Pünktlich mit dem Öffnen der Tore strömten die Besucher in den Park
bedburg-hau-moyland. Richtung Osten und dann immer geradeaus. Bis kurz vor Nowosibirsk. Da wachsen die Birken, aus deren Rinde Irinia Kepper jene wunderbaren ur- uralten Dosen fertigt, sie mit Motiven verziert (schnitzt oder prägt), die so alt sind, wie die Tradition der Dosen. „Das geht bis in die Bronzezeit zurück“, sagt Irina Keppler mit einem Akzent, der nach Sibirien klingt, nach unendlicher Weite und kalten Wintern. Jene Winter, die den Birken eine dicke Rinde wachsen lassen - ledrig, widerstandsfähig. Kurz, der ideale Werkstoff für Geräte des täglichen Bedarfs.
„Die sind stabil, das Brot bleibt knusprig und das Salz trocken“, sagt die Russin aus Kassel, deren Heimat wohl die am weitesten entfernte auf dem Weihnachtsmarkt in Moyland ist, der gestern eröffnet wurde. Die Dosen gibt es in allen Größen, wunderbar verziert mit keltisch sich verschlingenden Mustern, mit barbusigen Vogelfrauen, die Glück versprechen. Oder einfach, schlicht, fast modern. Irina Kepper ist zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt in Moyland und erzählt allen, die an ihren Stand kommen, von der alten Tradition aus Sibirien, die in Russland keiner mehr kennen will.
RP-Aktion in Moyland
Am Sonntag wird die Rheinische Post auf dem Weihnachtsmarkt in Moyland während einer Aktion gratis die Weihnachts-Grußkarte „Sonderedition Schloss Moyland“ an alle Besucher verteilen. Wer seine Karte direkt am Stand schreiben möchte, erhält die passende Briefmarke dazu - solange der Vorrat reicht.
Zusätzlich wird der besondere „Schloss-Moyland-Weihnachtsstern“ mit dem Bild vom Schloss verkauft. Der Erlös des Verkaufs geht an das Ferienwerk im Pfarrverband Bedburg-Hau. Der Markt ist heute und morgen von 13 bis 22 Uhr, Samstag von 11 bis 22 Uhr, und am Sonntag von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Eintritt: 2 Euro /Tageskarte
Tatjana Molle hat auch einen weiten Weg bis Moyland: allerdings aus dem Osten der Republik – aus Brandenburg kommt die quirlige Ausstellerin mit ihren Strickmoden. Bestimmt zur Freude der niederländischen Marktbesucher im knall-orangen Strickpullover mit verrückt angesetzten Taschen. Der Brandenburgerin gefällt es in Moyland: „Der Markt wird unter Ausstellern hoch gelobt. Vor allem wegen der durchgängig hohen Qualität der Aussteller. Und der Branchenmix stimmt“. Der stimmt wirklich: Traditionell strahlt es bunt in Filz, klassisch-schicke Taschen mit Edelstahl zeigen gutes Design, bunte Glasobjekte und Figuren, Schälchen lachen freundlich aus den Ständen, Schmuck glitzert verlockend. Und die ganze Bärenfamilie mit ihren Strubbelohren ist auch wieder angerückt, in diesem Jahr gar mit einem Bären-Engel-Mobile, das beschwingt im Wind weht.
Geschmack schärfen
„Gut behütet“ ist das Motto des Marktes: Da dürfen die guten Kopfbedeckungen nicht fehlen, die hier als Filz-Monumente, Käppchen oder schick geschwungene Kreationen vom Haupte grüßen. Kurz: Moyland hat in diesem Jahr wieder einige Überraschungen parat ohne auf Bewährtes zu verzichten.
Zur Eröffnung dankte gestern Nachmittag Bürgermeister Peter Driessen allen helfenden Händen, die diesen Markt erst möglich machten - von den Rotjacken der Moyländer über Polizei und Feuerwehr bis hin zu Dr. Barbara Strieder und Walter Hoffmann, die die Stände aussuchten. Stände, an denen man das „Bewusstsein für künstlerische Qualität stärken, sein Qualitätsgefühl schärfen kann“, so Drs. Ron Manheim, stellvertretender künstlerischer Leiter des Schlosses.
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