Niederrhein: Sibylle von Cleve: Kämpferin gegen Kaiser Karl
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 - 11:19Niederrhein (RPO). Sibylle von Cleve heiratete den Kurfürsten von Sachsen, Johan Friedrich I., zog als Streiterin für die Reformation gegen Kaiser Karl und verlor nach hartem Kampf. Berühmt sind bis heute ihre Porträts von Lucas Cranach.
Sie war reich, sah blendend aus, hatte eine exzellente Ausbildung und wurde vom bedeutendsten Künstler ihrer Zeit porträtiert. Später wurde sie auch noch berühmt. Sibylle von Cleve heiratete nämlich den Kurfürsten Johan Friedrich I. von Sachsen, setzte sich für die Reformation ein. Das war mehr als eine typische politische Hochzeit. Auf Schloss Burg verbrachte die blutjunge Braut die erste Nacht mit ihrem späteren Mann, bevor 1527 in Torgau die prunkvolle Hochzeit gefeiert wurde. Sibylle stand weiter zu Johan Friedrich, als der Kaiser ihn festsetzte und ihm alle Titel und einen großen Teil seiner Ländereien nahm. Sie setzte sich für die Reformation ein, stellte sich als Kriegsherrin Kaiser Karl entgegen. Und verlor erst nach hartem Kampf. Denn wie wehrhaft die zierliche Sibylle sein konnte, zeigt eine Jagdszene, in der sie einen Hirsch mit einem Wurfspieß erlegt, bevor ihr auf einem Pferd heranpreschender Mann die Szene erreicht.
Alles in Ehren
Sibylle von Cleve war die älteste Tochter des Fürsten Johann III. und wurde am 17. Januar 1512 in Kleve geboren.
Anfang Juni 1527 heiratete sie den späteren Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen. Zuhause wuchs sie mit ihrer jüngeren Schwester Anna, die spätere Braut des englischen Königs Heinrich VIII., am toleranten Klever Hof auf. Hier waren Humanisten ihre Lehrer.
Als Johann Friedrich I. 1547 gefangen gesetzt wurde, unterhielt sie mit Martin Luther einen regen Briefwechsel.
Ihr Wahlspruch lautete "Alles in Ehren".
Sibylle von Cleve starb 1554 in Weimar.
Star engagiert
Doch Sibylle sollte fast 500 Jahre später ein zweites und ein drittes Mal berühmt werden. Denn für das Brautbild hatten die Elternhäuser einen Star engagiert: Lucas Cranach der Ältere war als sächsischer Hofmaler die erste Adresse als Künstler. Er malte die schmale Niederrheinerin mehrmals – 1526/27 entstanden zwei fast gleich große Bilder – eines ging nach Sachsen (hier ist es noch heute mit seinem Pendant, dem Bild des Ehemannes, zu sehen).
Auf dem anderen trägt Sibylle von Cleve ein grünes Samtkleid mit reich verzierten Puffärmeln – ganz en vogue in der Mode der Zeit. Die Taille ist eng geschnürt, die Brust wird von einem braunen Bänderflechtwerk umschlossen. Das Dekolletee ist von zartem Plissee-Stoff verdeckt, der von einem goldenen, überaus reich verzierten Stehkragen gehalten wird. Nicht weniger kostbar die schwere Kette um ihren Hals. Ein prachtvolles Porträt der zauberhaften Kleverin.
Das fanden auch die Bieter bei der Christie's-Auktion in New York. Unter der Losnummer 0012 wurde das 53 mal 38 Zentimeter große Bild im Auktionshaus an der Rockefeller Plaza in New York versteigert und brachte vor zwei Jahren sensationelle fünf Millionen Euro.
Zuvor ging ihr Name durch die Gazetten, als der berühmte Kunstdieb Stéphane Breitwieser bei Sotheby's in Baden-Baden 1995 ein Medaillon mit ihrem Porträt mitgehen ließ. Das Bild in der Größe einer Handspange lag in einer aufklappbaren Vitrine zusammen mit etwa 20 Silberobjekten. Das Bild ist seitdem verschollen. Vermutlich gehört es zu den Kunstgegenständen, die die Mutter Breitwiesers, Mireille Stengel, als dieser verhaftet wurde, in den Rhein-Rhone-Kanal warf oder vernichtete.
Später malte Cranach noch das älter gewordene Fürstenpaar. Da hatte sie schon die ersten beiden ihrer vier Söhne geboren. Und man sieht ihrem schmallippigen Gesicht die Mühen der Aufgabe als Landesmutter an. 1552 wurde ihr Mann nach fünfjähriger Festungshaft entlassen. Das Paar hatte nur noch zwei Jahre. 1554 starben beide innerhalb eines Monats.
Im Museum Kurhaus
Das Klever Museum Kurhaus konnte 2007 zwei frühe, vorzügliche Kopien späterer Bilder ankaufen. Eines zeigt die 20-jährige Sibylle im Gegensatz zum Brautbildnis schon als Kurfürstin im reichen, um die Taille eng geschnürten Kleid. Ihr Mann wird als bullig-stattlicher Kurfürst dargestellt, dessen bei Cranach ursprünglich auf die Schulter gelegtes Schwert allerdings fehlt. Es sind Bilder, die die ganze Autorität des Fürstenpaars widerspiegeln. Das spricht auch aus den Kopien: Sie sind ausgesprochen detailreich und sauber gemalt.
"Das ist feine, sensible, sehr gute Malerei", sagt Dr. Roland Mönig vom Klever Kurhaus-Museum. Kurz: Es sei ein enormes Zeugnis für die Klever Geschichte, ein wichtiger Mosaikstein für die Sammlung des Museums. Sie werden nach dem Umbau des Museums Kurhaus in der mit Spannung erwarteten neuen Abteilung zu sehen sein.
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