Kleve: Sorge vor historischer Bausünde
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012Kleve (RP). Auf der Klever Tiergartenstraße soll auf historischem Grund ein Haus mit Eigentumswohnungen entstehen. Das Vorhaben trifft nicht überall auf Gegenliebe. Eigentümer des Grundstücks ist die Design Bau Cleve GmbH.
Die Tiergartenstraße gilt nicht nur als die Prachtmeile Kleves – sie ist es auch. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die klassizistischen Villen errichtet, die dafür sorgen, dass dieser Abschnitt auch die "Goldene Meile von Kleve" genannt wird. In den Gründerjahren folgte ab 1871 der Bau von bürgerlichen Häusern, die von Wohlstand zeugen.
Die Villa Nova an der Ecke Gruftstraße/Tiergartenstraße gehört zweifellos zu den Schmuckstücken der Allee. Sie besitzt einen Park hinter dem Haus, in dem seit einigen Monaten Gipsfiguren kombiniert mit weiterer Keramik verteilt sind. Zur Villa Nova mit der Ansammlung im Garten des Hauses sagte Kleves kulturelles Gewissen, Seniorkurator und langjähriger Museumsleiter Drs. Guido de Werd, einst: Es sei positiv, dass die Villa Nova gut saniert worden sei und was im Garten stehe, spiele dauerhaft keine Rolle, da man die Ansammlung immer problemlos wegräumen könne.
Das Erbe bewahren
Alwine Strohmenger, Vorsitzende des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte, wertet den geplanten Bau auf der Tiergartenstraße als Rückschlag: "Diese Bauten besitzen im wahrsten Sinne des Wortes Alleinstellungsmerkmale. Für uns geht es darum, das kulturelle Erbe der Stadt zu bewahren." Wie Guido de Werd fürchtet sich die Vorsitzende vor weiteren Bausünden in Kleve: "Sollte hier etwas gebaut werden, was das Gesicht Kleves weiter entstellt, so hoffe ich auf einen Aufschrei in der Bevölkerung." Doch ist es gute Tradition in Kleve, erst dann aufzubegehren, wenn man nicht mehr Gefahr läuft, noch etwas ändern zu können.
Was aber auf dem Grundstück zwischen Villa Nova und Villa Fortuna, dem nächsten Bau Richtung Museum, geplant ist, wird man nicht einfach wegräumen können. Dieses Grundstück gehörte einst zum prächtigen Park der Villa Nova. Hier wird eine Immobilie mit Eigentumswohnungen entstehen. Besitzer der Fläche, die von der Stadt Kleve als Baugrundstück ausgewiesen wurde, ist mittlerweile die Design Bau Cleve GmbH, deren Geschäftsführerin die Architektin Nicole Koenen ist.
"Wir sind uns der reizvollen Aufgabe bewusst, hier etwas Ansprechendes zu bauen", sagt die Planerin. Es soll ein Haus gebaut werden, das sich in das historische Ensemble einfügt. Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer betont, dass nur etwas genehmigt würde, was sich in Form und Gestalt in die bedeutende Allee einfüge und diese ergänze. Zudem, so Rauer, müsse das Vorhaben mit dem Denkmalschutz abgeklärt werden.
Guido de Werd bedauert die Parzellierung des Gartens. "Wo die Stadt Kleve seit 1977 so viel für die Wiederherstellung der historischen Gartenanlagen gemacht hat, ist es besonders schade, dass hier die einzige Stelle, wo zwei Villen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die ihre ursprünglichen Gärten bewahrt haben, nun zugebaut wird. Hierdurch geht an dieser Stelle der ursprüngliche Charakter der Tiergartenstrasse als grandiose Kurallee weitgehend verloren", sagt de Werd. Die historischen Parkanlagen seien ein einzigartiges Denkmal, sie prägen Kleve, so de Werd weiter, der ergänzt: "Diese Stelle hätte nicht als Bauplatz ausgewiesen werden dürfen.
Es konterkariert die enormen städtischen Bemühungen, die für die Anlagen des Neuen Tiergartens im Bereich des Amphitheaters und des Kurhauses erbracht wurden." Laut de Werd beschränken sich die historischen Parkanlagen keinesfalls auf die barocken Gärten am Amphitheater sowie den Tierpark: Bis zur Kreuzung Gruftstraße ist die Tiergartenstraße als erweitertes historisches Gartenareal zu betrachten. Wenn man das Vermächtnis von Johann Moritz von Nassau bewahren wolle, so de Werd, müsse man auch in Details behutsam damit umgehen. Das bedeutende Gutachten zu Kleves Gärten von Gustav und Rose Wörner scheint nicht mehr als Leitfaden zu gelten.
De Werd schlägt daher vor, eine neue Expertise anzufertigen, in der eine Balance zwischen dem Erhalt des historischen Charakters von Kleves Alleen und einer zukunftsträchtigen Entwicklung der Stadt mit Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen aufgezeigt werden soll. Zu den Eigentumswohnungen, die dort entstehen, wollte de Werd sich nicht äußern: "Man muss abwarten, wie das Haus geplant wird. Ein guter Architekt, der Gespür für den Ort hat, kann dort auch etwas schaffen, was dem historischen Umfeld gerecht wird. Es darf nicht wieder, wie an der Nassauer Allee geschehen, ein Bau hingesetzt werden, der den Charakter der Allee nicht entspricht."
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







